Die Hoffnung höret auf, der Glaube kommt zum Schauen,
Die Sprachen redt man nicht, und alles was wir bauen
Vergehet mit der Zeit: Die Liebe bleibt allein –
So laßt uns doch schon jetzt auf sie beflissen sein.

Wo Gott mich über Gott nicht sollte wollen bringen,
So will ich ihn dazu mit bloßer Liebe zwingen.

Es ist kein Vor noch Nach: was morgen soll geschehn,
Hat Gott von Ewigkeit schon wesentlich gesehn.

Mensch, alles was du willst, ist schon zuvor in dir:
Es lieget nur an dem, daß du's nicht wirkst herfür.

Ich ward das, was ich war, und bin, was ich gewesen,
Und werd es ewig sein, wenn Leib und Seel genesen.

Gott schafft die Welt annoch: kommt dir dies fremde für?
So wiß, es ist bei ihm kein Vor noch Nach, wie hier.

Die Allmacht hält die Welt, die Weisheit, die regiert,
Die Güte segnet sie: wird hier nicht Gott gespürt?

Die Rose, welche hier dein äußres Auge sieht,
Die hat von Ewigkeit in Gott also geblüht.

Die Ros ist ohn warum, sie blühet weil sie blühet,
Sie acht't nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.