Die Ros' ist meine Seel, der Dorn des Fleisches Lust,
Der Frühling Gottes Gunst, sein Zorn ist Kält und Frost,
Ihr Blühn ist Gutes tun, den Dorn, ihr Fleisch, nicht achten,
Mit Tugenden sich ziern und nach dem Himmel trachten:
Nimmt sie die Zeit wohl wahr und blüht, weils Frühling ist,
So wird sie ewiglich für Gottes Ros' erkiest.

Die Lieb ist unser Gott, es lebet alls durch Liebe:
Wie selig wär ein Mensch, der stets in ihr verbliebe!

Schweig, Allerliebster, schweig: kannst du mir gänzlich schweigen,
So wird dir Gott mehr Gut's, als du begehrst, erzeigen.

Fürwahr, wer diese Welt recht nimmt in Augenschein,
Muß bald Democritus, bald Heraclitus sein.

Ach daß wir Menschen nicht, wie die Waldvögelein,
Ein jeder seinen Ton mit Lust zusammen schrein!

Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willst lesen,
So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen.


Anmerkung