Gott ist noch mehr in mir, als wann das ganze Meer
In einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.

Ich weiß Gotts Konterfei: er hat sich abgebildt
In seinen Kreaturn, wo dus erkennen willt.

Gott hat sich nie bemüht, auch nie geruht, das merk:
Sein Wirken ist sein Ruhn und seine Ruh sein Werk.

Gott tut im Heilgen selbst alls, was der Heilge tut:
Gott geht, steht, liegt, schläft, wacht, ißt, trinkt, hat guten Mut.

Gott gleicht sich einem Brunn: er fleußt ganz mildiglich
Heraus in sein Geschöpf und bleibet doch in sich.

Werd Gott, willst du zu Gott: Gott macht sich nicht gemein,
Wer nicht mit ihm will Gott und das was er ist sein.

Gott ist ein ewger Geist, der alls wird, was er will,
Und bleibt doch, wie er ist, unformlich und ohn Ziel.

Gott ist nicht's erste Mal am Kreuz getötet worden,
Denn schau: er ließ sich ja in Abel schon ermorden.

Wer saget, daß sich Gott vom Sünder abgewendt,
Der gibet klar an Tag, daß er Gott noch nicht kennt.