Gott zürnet nie mit uns, wir dichtens ihm nur an:
Unmöglich ist es ihm, daß er je zürnen kann.
Gott wohnet in sich selbst, sein Wesen ist sein Haus:
Drum gehet er auch nie aus seiner Gottheit aus.
Was Gott ist, weiß man nicht: Er ist nicht Licht, nicht Geist,
Nicht Wahrheit, Einheit, Eins, nicht was man Gottheit heißt,
Nicht Weisheit, nicht Verstand, nicht Liebe, Wille, Güte,
Kein Ding, kein Unding auch, kein Wesen, kein Gemüte.
Gott ist ein Geist, ein Feur, ein Wesen und ein Licht,
Und ist doch wiederum auch dieses alles nicht.
Gott ist noch nie gewest und wird auch niemals sein
Und bleibt doch nach der Welt, war auch vor ihr allein.
Mein Gott, wie groß ist Gott! Mein Gott, wie klein ist Gott!
Klein als das kleinste Ding und groß wie alls von Not.
Gott liebt und lobt sich selbst, so viel er immer kann:
Er kniet und neiget sich, er bet't sich selber an.
Gott ist das, was er ist: ich bin das, was ich bin:
Doch kennst du einen wohl, so kennst du mich und ihn.
Ich bin nicht außer Gott, und Gott nicht außer mir,
Ich bin sein Glanz und Licht, und er ist meine Zier.