Natürlich waren hier nur die Herren versammelt; die Damen tranken während des Festessens ihren Kaffee im Garten und blickten wohl einmal durch die Saalfenster, ob ihre Männer es auch nicht zu arg trieben; aber die fühlten sich sicher und ließen sich weder durch Winke noch durch Blicke davon abbringen, sich noch eine Flasche Rotwein mit ihrem Nachbar zu teilen.
Um sechs Uhr erst wurde der Saal geräumt, und in einer halben Stunde war alles, was an das Essen erinnerte, beseitigt. Das Trompetensignal, der Ruf zum Sammeln, ertönte, die Veteranen mit den Ihrigen strömten wieder herein, wunderten sich, daß alles so schnell verändert war, und setzten sich erwartungsvoll hin mit dem Gesichte zur Bühne gewandt, wo das Festspiel aufgeführt wurde.
So schönes Theater hatten die Kriegsveteranen und Kameraden nie gesehen. Als der Vorhang nach dem rührenden bengalischen Lichte und nach dem herrlichen lebenden Bilde fiel, da klatschten sie, was sie nur klatschen konnten.
Und dann begann der Kommers. An vier langen Tafeln, ebenso wie vorhin beim Festessen, hatten die Kameraden Platz gefunden, und lustig flogen die Worte hin und her.
Die Lieder waren alle in Reihenfolge, wie sie gesungen werden sollten, auf ein Blatt gedruckt, und ganz zum Schlusse stand auch »Schleswig-Holstein, meerumschlungen«. – Und niemand wußte recht, wie es eigentlich kam, – eben war die Wacht am Rhein verbraust, und es sollte nun »Wohlauf, ihr wackeren Kameraden« kommen, – aber auf einmal ertönte, als hätte man sich vorher dazu verabredet, außer der Reihenfolge der Anfang des Schleswig-Holstein-Liedes, – erst hier und da – ein paar alte schleswig-holsteinische Lehrer mochten damit angefangen haben, dann fielen immer mehr und mehr ein, die Musik mußte sich dem allgemeinen Willen fügen, die alten Kämpen erhoben sich von ihren Plätzen, stützten die Hände auf den Tisch, blickten in die Höhe mit begeisterten Augen und es klang:
»Schleswig-Holstein meerumschlungen –«
Und es kam eine Kraft über sie, wie damals, als sie für die Freiheit ihrer Heimat ins Feld zogen, als die Hand den Säbel fest umfassen und das Auge die Büchse scharf richten konnte.
»deutscher Sitte hohe Wacht –«
Ihre Stimme zitterte bei diesen Klängen; die hohe Wacht, die hatten sie einst gehalten und deutsch waren sie gewesen bis in ihr innerstes Mark hinein.
»wahre treu, was schwer errungen –«