Und sie dachten an alles Schwere, was sie durchgemacht hatten in Kampf und Sturm, und an die Sorgen, die sie einst für die Ihren daheim im Herzen getragen hatten. Und es war wie ein schmerzliches Zucken um ihre Mundwinkel, als die Alten so da standen, die Blicke aufwärts und die Hände auf den Tisch gestützt.
»bis ein schön'rer Morgen tagt –«
Ja, jetzt war alles ganz anders gekommen, als damals, wo sie um ihre Freiheit streiten mußten. Freilich, ihr Herzog war ihnen genommen, aber ihre Herzogstochter, die war jetzt deutsche Kaiserin. Es hatte schön getagt auf die Nacht des Kampfes.
»Schleswig-Holstein stammverwandt –«
Alle fühlten sie sich als Brüder, so innig miteinander verwoben, und sahen einander in die Augen, wie sie das sangen, und Tränen blinkten darin, und sie nickten einander zu mit den braven, geraden Gesichtern.
»wanke nicht, mein Vaterland!«
Sie hoben die Gläser, die Alten und die Jungen, und stießen an und schüttelten einander die Hände und waren einander gut und umarmten die Kameraden. Und dann wiederholten sie die beiden letzten Zeilen:
»Schleswig-Holstein stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!«
Und als diese einfachen Veteranen das Wort »Vaterland« aussprachen, so ernst begeistert, so innig trotz der Rauheit der Stimmen, da lag für die Jungen im Saale das Geheimnis geoffenbart, warum wir jetzt ein einiges Deutschland haben!
Das war das Kriegerfest in Wettorp.