»Gut, dann adjö, ich geh' jetzt heim. Tu, was du willst,« sagte er in verändertem Tone. »Meinetwegen kannst du ja auch dableiben und auf deinen Kaplan warten, so lange es dir nur beliebt, und ihn heiraten, wenn es dir gefällig ist, und den Grafen dazu, wenn du Lust hast! Ich hab' gar nichts dagegen! Ich geh' jetzt meiner Wege, adjö.«

»Du bist doch ein rechter Dummkopf, Lorenz!« platzte sie heraus. »Das sag' ich dir aber jetzt, so oft du es nur haben willst!«

»Und wenn wir jetzt nicht in der Kirch' wären, tät ich dir jetzt eine herunterhauen! Das sag' ich dir ebenfalls! Und jetzt machst gleich, daß du mit heimkommst, oder ich sag' dir noch was andres! Verstehst mich? Denn verlaß dich drauf, daß ich dir von jetzt ab um den Schloßverwalter keinen Schritt mehr mache, und weder zum Kaplan noch zu Pilatus, noch zum Grafen, noch sonst wohin gehe, sondern Kindssärge spazieren trage, so lang es mir Spaß macht. Verstehst mich? Und schließlich ist das so schön und so nützlich wie das einfältige Bretterzählen, das der Graf besorgt. Und überhaupt, unter so einem Esel möcht' ich nicht 'mal Verwalter sein. Verstehst mich? Nun wirst wohl keinen Zweifel mehr über meine Gesinnung haben? Und jetzt machst sofort, daß du heimkommst!« schrie er, alles Bessern vergessend.

»Wenn ich möcht,« entgegnete sie leise und grimmig. Und dann kniete sie ihm zum Trotz wieder nieder und begann laut und klingend vor sich hin zu beten.

Daisenrieder aber stand mit geballten Fäusten hinter ihr und fletschte die Zähne. Und wer weiß, wohin ihn der nächste Augenblick noch gebracht hätte, wenn nicht vom Galeriegitter oben plötzlich eine Stimme gerufen hätte: »Es genügt jetzt schon, ihr frommen Leute, es genügt jetzt schon.«

Signet

Rudolf Greinz:
Das Hennendiandl

Rudolf Greinz ist Tiroler und ist ein Erzähler von der guten alten Art. Als Tiroler kennt er seine Landsleute, kennt diese Holzbauern, Knechte und Mägde, die uns seine Geschichten schildern: die Biederen und die Verschlagenen, die Dickköpfigen und die Leichtherzigen, die Gutmütigen und die Geizhälse, wie sie nur noch der Herr Pfarrer vom Beichtstuhl her kennt. Die Romane und Novellen nicht minder als die »Bauernbibel«, das »Krippenspiel« nicht minder als die dem Leben nachgedichteten drolligen »Marterln« beweisen diese innige Vertrautheit mit der Vorstellungswelt des Tiroler Bauern und eine wahrhaft dichterische Kraft der Einfühlung. Eine besondere Neigung hat Greinz, auch darin seinem steirischen Nachbar Rosegger verwandt, für die Schnurre, die seinem Vergnügen an bäurischen Till-Eulenspiegeleien und seinem Humor volkstümlich entgegenkommt: sein herzhaftes Lachen lacht aller Torheiten und liebt dabei doch die törichten Menschlein, die sie begehen. Greinz lebt in München; geboren ist er in Pradl, am 16. August 1866.

L. Adelt.

Das Hennendiandl.