Die Gschwentnerbäuerin hatte eine geradezu leidenschaftliche Vorliebe für Geflügelzucht. Das größte Kontingent stellten natürlich die Hennen. Es waren aber auch ziemlich viele Enten und Gänse auf dem Hofe vorhanden. Sogar ein welscher Truthahn stolzierte in dem Anger umher.
Für die Hennen hatte der Bauer einen eigenen Stall errichtet. Ein kleiner Teil des Tennen war zum Hennenstall umgebaut worden, zu dem vom Erdboden aus ein schmales Stiegerl hinaufführte.
Für die Hennen und das übrige Geflügel hatte sich die Bäuerin eine eigene Dirn angestellt, die in Aschau allgemein nur das Hennendiandl hieß. Und dieses Hennendiandl war eben das Vronele, an die ich mein Herz verloren hatte.
Natürlich hatte meine Angebetete davon keine Ahnung. Über ein paar schüchterne Versuche, mit ihr ein Gespräch anzuknüpfen, war ich nicht hinausgekommen. Und diese Gespräche drehten sich immer nur um die Hennen. Bei diesem Thema blieb ich unrettbar kleben und suchte vergebens den nötigen Übergang zu einer Eröffnung meiner Gefühle.
In dieser verzwickten Lage kam mir der Kranzelscheiber Lex zu Hilfe, den ich in mein Geheimnis einweihte. Er hatte mir mit entschieden großer Aufmerksamkeit schweigend zugehört, lachte unter meiner Erzählung mehrmals verschmitzt und tat schließlich die schmeichelhafte Äußerung: »Weißt was, du bist a dalketer14 Teufl. Ös Stadtlinger habt's halt alle an Leibschaden im Hirn! Dö G'schicht' mit 'm Hennendiandl hast ja ganz verdraht ang'fangt: da muaßt zum Vronele fensterln geh'n, wenn d' wissen willst, wia d' dran bist!«
Als ich ihm erklärte, daß ich so was doch nicht recht wagen würde, fuhr mich der Lex an: »Laß dich nit auslachen, du Trauminit! Wenn du dein Herz in der Hosen hast statt am richtigen Fleck, nacher wirst nia was ausrichten bei an saubern Diandl! Übrigens, weil's du bist, will i 's erste Mal mit dir geh'n und dir 's Loaterl halten.«
Ich war überglücklich, daß sich der Lex so echt freundschaftlich meiner annahm, und befand mich drei Tage lang in großer Aufregung und in spannender Erwartung der Dinge, die da kommen sollten. Denn so lang dauerte es noch, bis der Fensterlgang angetreten wurde.
Es müsse eine stockfinstre Nacht sein, hatte der Lex gesagt. Da jetzt Neumond eintrete, hätte ich gerade die günstigste Zeit erwischt. Inzwischen hatte mir der Lex auch gesteckt, daß mich, soweit er sich auskenne, das Vronele gar nicht so ungern sehe.
Stockfinstre Nacht war's, als ich mit dem Lex den Weg zum Gschwentnerhof hinauftappte. Schwere Wolken zogen am Himmel. Eine schwüle Sommernacht. Ich stolperte neben dem Lex dahin, der eine kleine Leiter trug.
Endlich kamen wir an den Angerzaun des Gschwentner. Ein Gatterl knarrte. Es ging über weichen Rasen dahin. Das Gehöft war nur in ganz verschwommenen Umrissen gegen den dunklen Nachthimmel zu erkennen. Kein Lüfterl regte sich. Ein paarmal wäre ich bei einem Haar mit dem Schädel gegen einen der Bäume im Anger gerannt.