Jetzt schienen wir zur Stelle zu sein. Wenigstens machte der Lex Halt und lehnte die Leiter gegen die Mauer. Mein Herz klopfte hörbar.

»Da is 's Kammerfensterl vom Vronele!« flüsterte der Lex. »Jatz pass' auf, damit 's nächste Mal 's Fensterln selber kannst!«

Der Lex tat mit der Zunge ein paar Schnaggler, daß es klang wie gedämpftes Peitschenknallen. Dann begann er halblaut mit unterdrückter Stimme zu singen:

Diandl, mach's Riegerl auf,
mach' mir dei' Riegerl auf,
Diandl, mach auf!
Lass' mich nit lang so pass'n
da herunt' auf der freien Gass'n,
Diandl, mach auf!
Diandl, Diandl, kennst mich nit,
oder is dös dei' Fensterl nit? –
Diandl, mach auf! …

Und so ging es noch ein paar Strophen weiter. Nichts rührte sich.

»I will amal z'erst aufisteig'n und a bissel anklopfen!« sagte der Kranzelscheiber Lex leise und stieg im nächsten Augenblick flink wie ein ›Oacherl‹15 die Leitersprossen empor. Ich hörte, wie er mehrmals klopfte.

Wiederum lautlose Stille. Dann hörte ich den Lex sagen: »Mir scheint, 's Vronele rührt sich schon!«

Bald darauf vernahm ich, wie sich etwas in den Angeln drehte. Gleichzeitig kletterte der Lex die Leiter wieder herunter.

»Sie hat 's Fensterl aufg'macht!« flüsterte er. »Schleun'16 dich, steig' ein!«

Er schob mich gewaltsam zur Leiter und schob noch hinter mir nach, daß ich, ob ich nun wollte oder nicht, nach oben klettern mußte.