»Steig' ein!« hörte ich den Lex, der hinter mir auf der Leiter stand.

Ich tastete um mich und griff eine Art Fensterbalken. Eine warme dunstige Luft schlug mir entgegen.

»Steig' ein!« hörte ich noch den Lex sagen. Dann schob er mich durch die Öffnung im Gebälk durch. Ich purzelte nach vorn ins Dunkle. Noch ein kräftiger Schub des Lex, und ich war drinnen. Hinter mir hörte ich es zuschlagen und einen Riegel vorschieben.

Das war das Werk weniger Sekunden. Ich tastete um mich und griff mit den Händen in lauter Stroh. Dann richtete ich mich auf und stieß mir den Kopf derart an den Überboden des Raumes, in den ich geraten war, daß mir die hellen Funken vor den Augen tanzten und ich unwillkürlich in die Knie sank.

Gleich darauf ging rings um mich herum ein Heidenspektakel los. Ein Springen und Flattern und aufgeregtes Gackern, daß ich vorläufig ganz betäubt war. Ich kam jedoch rasch genug zu der Erkenntnis, daß ich mich nirgend anderswo befand, als im Hennenstall. Das in seiner Nachtruhe gestörte und durch meinen plötzlichen Einbruch ganz entsetzte Hennenvolk tobte wie wahnsinnig um mich herum.

Ich schlug mit beiden Armen aus und trommelte mit den Fäusten gegen die feste Balkenwand. »Lex!« rief ich, »Lex! I bin im Hennenstall. Wir haben 's Fensterl verfehlt! Mach' auf, Lex!«

Keine Antwort erfolgte. Ich glaubte jedoch ein unterdrücktes Lachen von draußen zu hören.

»Aufmachen, Lex! Hast g'hört!« trommelte ich weiter. Keine Erhörung. So polterte ich wohl noch eine Viertelstunde.

Während dieser Zeit kam es mir zur Erkenntnis, daß der verflixte Lex mir einen Possen gespielt hatte. Je mehr ich wütete, desto rasender wurden die Hennen.

Daß man im Haus von dem Spektakel im Hennenstall nichts hörte, dafür fand ich erst später die Erklärung. Der Tennen lag weit nach rückwärts und war von dem Haus durch den Stall und durch den mächtigen Heustadel getrennt. Zudem gingen die Fenster der Schlafkammern alle nach vorn heraus. Bei dem gesunden Schlaf, den ein Bauer hat, hätte ich also wohl noch die halbe Nacht toben können.