Vielleicht hat der Kranzelscheiber Lex im Laufe der Begebenheiten das Hennendiandl geheiratet. Vielleicht auch nicht. In jedem Fall soll ihn der Teufel holen!

Signet

Sophus Bonde:
Jochen Appelbaums Galion

Sophus Bonde (Deckname) ist von der Waterkant: er versteht es, sein Garn zu spinnen, wie nur je ein Seebär aus der Zeit, da es noch keine Dampfer gab. Bei Windstille, wenn der Schuner tagelang mit schlappen Segeln liegt, auf Wache in sternenklaren Nächten, an freiem Sonntagnachmittagen, wenn Gelächter und Gesang, Musik und Tanz die strenge Disziplin des Dienstes ablösen, da kommt auch heute noch an Bord die eingeborene Seemannslust am Fabulieren zu ihrem Recht. Die Phantasie entfaltet sich an der unendlichen Weite des Meeres, der Klabautermann und tausend alte Sagen steigen aus ihm auf, eigene Erlebnisse zu Wasser und zu Lande verspinnen sich zu einem mehr oder weniger kunstvollen Netze lustiger und gruseliger, abenteuerlicher und märchenhafter Begebenheiten. Solch ein Erzähler von der Art, die heute auszusterben droht, ist Sophus Bonde. Derber Humor und unverwüstliche Lebenslust machen seine Geschichten zu einem Jungborn der Gesundheit, des Behagens und der Freude an den bunten Möglichkeiten des Daseins.

L. Adelt.

Jochen Appelbaums Galion.

Kap Lizard hatten wir längst hinter uns, und wir liefen vor einem steifen Ostsüdost durch den Atlantik. Eines Tages, es war Sonntagnachmittag, hatten wir es uns hinter der Back17 bequem gemacht und lagen und saßen in zwanglosen Gruppen herum. Einige hatten ihren Nähbeutel neben sich und besserten ihre Sachen aus. Jochen Appelbaum, der Segelmacher, war dabei, mit kunstgeübter Hand einen Bettvorleger für seine Frau herzustellen. Die Vorlage dazu, eine Fregatte unter vollen Segeln, hatte ich, der ich zeichnerisch veranlagt war, ausgeführt und war dadurch noch eine Stufe höher in seiner Gunst gestiegen. Nun zog er bunte Wolle, Faden neben Faden, die Farben zu der Zeichnung passend, durch das Stück Segeltuch, welches die Grundlage darstellte, und worauf die Zeichnung ausgeführt war. Über ein Jahr brauchte er zu dieser Arbeit. Als sie fertig war, war es wirklich ein Prachtstück seemännischer Kunstfertigkeit und Geduld und fand unter den Kameraden die höchste Bewunderung.

Es wurde hin und her geredet, über dies und jenes, und als eine Stockung eintrat und das Gespräch nicht weiter wollte, meinte der Karpenter18: »Wie wär dat, wenn ein von uns ein Ende Schimannsgarn spinnt, de Tid löbt denn so moy und een wird nicht dümmer davon. Laat man ein los, Sailmocher, du heß veel von de Sort in't Hellegatt19. Man los!«

Jochen Appelbaum schmunzelte und meinte: »Tja, wenn't jug Spaas mokt, will ik jug ein lütt Geschicht ut mine Orlogstid20 vertellen.«

»Ja, man tau! Man tau!« riefen die Gasten im Chor und rückten dichter zusammen, damit ihnen ja nichts von der Erzählung verloren ginge.