»In den Jahren achteinhundertvierundföftig und fifundföftig diente ich in der dän'schen Marine als Matrose, und zwar an Bord von de Kreuzerfregatt ›Jülland‹.«
»Wie kömmt dat, dat du in de dän'sche Marin deint hast, wo wir alle sonst in die dütsche deinen möten?« fragte der Matrose Franz Klattstert, ein Danziger.
»Dat will ich di seggen,« erwiderte der Segelmacher. »Erstens hatte Deutschland damals noch keine Marine, zweitens war Schleswig noch dänisch und die jungen Leute mußten darum noch ihre Militärpflicht in Dänemark absolvieren, und drüttens bis du een Schaapskopp, wenn du dat nicht weißt …
Ich war also als Orlogsgast eingezogen und diente auf der Kreuzerfregatte ›Jülland‹. Nun müßt ihr euch aber nicht so 'n Fregatt mit den heutigen Schlamasselkastens, die sie Kriegsschiffe nennen, vergleichen. Nein, das war ein richtiges Schiff, wie unser hier, mit richtigen Masten, mit Rahen, Segel und Takel; von richtigen Schiffsbauers gebaut und getakelt, und nicht so 'n Mißgeburt, wie die Eisenfritzen jetzt bauen. Damals mußte das Schiff mit Seeleute bemannt sein, wie unser Schipp hier, und nicht, wie die heutigen Kriegskastens, mit schmeerigen Heizers und sottigen Trimmers; und de Offizeers wären Seeleute, die von der Pike auf gedient hatten, wie unsereins, und ebensogut ein Ende splissen konnten wie ihr Besteck machen, und anderes zu denken hatten als an't Zähne- und Nägelputzen. Seeleute waren es, die mit 'n Schipp sailen konnten wie unser Keppen Claasen. Das waren Seeleute dörch und dörch und keine Herrens von die Marineakademie mit Lacksteweln und Jungfernmaneeren. Frag mal einen von dissen Herrens Offizeers auf den eisernen Kriegskastens, ob sie es wagen, mit einer Kreuzerfregatte unter vollen Segeln und mit guter Brise auf ihren Ankerplatz im Hafen raufzufahren und dort mit dem Schiff um die Boje wenden und stillhalten wie ein Streichholtschachtel im Nachttopp! Tja! Das waren Seeleute, düsse Offizeers von damals! – Seeleute!
Nu also, mit so 'n Schipp war ich los, und wir waren an zweihundert Mann an Bord, lauter junge Seebären, die sich vor kein Düwel und kein Wetter fürchteten. Wir waren auf eine Tour ins Mittelmeer, als wir plötzlich Order kriegten, nach den dänischen Besitzungen in Westindien zu gehen. Die Niggers auf der Insel Sankt Thomas waren aufrührerisch geworden und murksten ihre weißen Herren ab. Wir sollten nun hin und die schwarzen Banditen beruhigen.
Das war wenigstens mal was anderes. Ein willkommenes Abenteuer, eine Unterbrechung in dat ewige Einerlei. Na, nun steuerten wir so schnell wie die Schute laufen wollte quer dörch den Atlantik nach den Kleinen Antillen, wo die Insel Sankt Thomas liegt. In ohngefähr fünf Wochen, nachdem wir die Order gekriegt hatten, warfen wir Anker auf der Reede von Charlotte Amalie. Tja, so heißt die Hauptstadt von der Insel. Als die nötigen Formalitäten nun erledigt waren, wurden hundertundfünfzig Mann an Land gesetzt, die im Verein mit der Besatzung der Insel die Niggers, die im Inneren die Plantagen verwüsteten, die Häuser ansengelten und ihre Herren abmurksten, bändigen sollten.
Ich war zu meinem Unglück auch mit bei die Landpartie.
Der erste Tag verging mit An'tlandsetten, Lagerinrichten und Teltupschlagen21.
Am zweiten Tag ging de Jagd los. In kleinen Abteilungen ging es in die Plantagen und Wälder, wo die schwarzen Deuwels sich versteckt halten sollten.
O, Gottegott, wie hatten die schwarzen Beesters gehaust: überall verwüstete Zuckerplantagen und niedergebrannte Häuser, aber nirgends eine Spur von die Schwarzen.