»Sag mir an, gute Frau,« sprach die Meisterin, »was du von meinen künftigen Tagen zu wissen vermagst. Was mir zu Troste geschehen kann, das will ich gerne von dir hören und dir's auch herzlich lohnen, wenn es zutrifft.«
»Komm wieder am dritten Tage,« sprach die weise Frau.
Und als sie wiedergekommen war, empfing sie den Bescheid: »Du wirst, ehe das Jahr sich neigt, mit einem Manne zur Kirche gehen.«
»Ein Mann! ist das alles?« lachte die Meisterin; »und wie beschaffen ist er, mit dem ich zur Kirche gehen soll?«
»Wie einer, der sich alles holden zu seiner lieben Ehefrauen versehen mag und ihr redlich vergilt, was sie ihm treulich gewährt: so daß du dich ihm unterschmiegen und dein Haupt an seiner Brust bergen kannst.«
»Das soll mir nicht zum Untroste geschehen, Frau Monika,« sprach die Meisterin mit Erröten, »wenn es in Züchten nach dem Gebote der heiligen Kirche über mich erfüllt wird. Aber welcher Gestalt hast du ihn gesehen? Ist er braun oder blond?«
»Ich habe sein Bildnis nur zu nächtiger Weile gesehen, und da war es nicht zu erkennen, ob ihm brauner oder blonder Bart um die Lippen sproßt; aber es ist ein stattlicher Mann, das kann ich dir höchlich beteuern. Laß dir damit Genüge sein.«
»Das will ich,« sprach die Meisterin, lohnte der weisen Frau und ging mit erleichtertem Herzen heim. Als sie über die Herrengasse schritt, kam ihr die Stadtwache mit Pfeifen und Trommeln entgegen, und es gab einen hellen und freudigen Schall. Den nahm sie zur guten Vorbedeutung und lächelte, so daß ihr Antlitz überschienen ward und die Vorübergehenden sagten: »Seht, Frau Walburga, die Rebenbäckerin! Das ist ein junges Weib, das manchem Manne guten Mut geben könnte.«
Sie aber schritt weiter und dachte: »Wen erblicke ich zuerst, wenn ich ins Haus komme? Das will ich mir merken.«
Aber sie erblickte einen, bevor sie ins Haus kam. Denn vom Dache schien etwas Weißes herab, wie eine Gestalt, und als sie nahe gekommen war, blickte sie erstaunt hinan und rief: »Was tust du auf dem Dache, Geselle Heinrich?«