Mette folgte ihr in einem seltsamen Traumzustand befangen. Sie war durch die beiden schlaflosen Nächte überwach, und ihre Sinne schienen, tausendfach geschärft, jeden Eindruck aufzunehmen.
Der dünne Hauch von Reif, der den Boden, die Holzstangen überzog, die groben Gesichter von zwei bäuerlich gekleideten Frauen, die an ihnen vorüberhasteten, der langgezogene Ruf des Schaffners, das gemächliche Zuschlagen der Türen, die roten Hände des Mannes an der Sperre, die aus gestrickten Pulswärmern herauswuchsen, der kleine dämmerige Raum mit papierbeklebten Wänden und abgescheuerten Holzbänken, durch den sie hindurch mußten, das Pfeifen des abfahrenden Zuges in ihrem Rücken – das alles prägte sich ihrem Gehirn mit unauslöschlicher Deutlichkeit ein.
Olga stieß eine Tür auf, trat ein paar steinerne Stufen hinunter, und sie standen auf dem holperigen Steinpflaster eines großen Platzes, der von dem Licht des Bahnhofs schwach erhellt war.
Rechts und links war tiefes Dunkel. Soviel man unterscheiden konnte, kahle zerzauste Laubbäume, ungepflasterte, aufgeweichte, leicht überfrorene Wege.
Geradeaus sah man in einiger Entfernung etwas, das aussah wie der Anfang einer Straße.
Olga blieb stehen und sah Metten lächelnd an.
„Nun,“ sagte sie, „graust’s dich schon? Was gäbst du darum, wenn du jetzt zu Hause unter der Daunendecke lägst und das elektrische Licht anknipsen könntest?“
„Gar nichts!“ sagte Mette trotzig. „Im Gegenteil, ich finde es hier äußerst gemütlich. Und wenn wir kein Unterkommen finden, so wäre es mir doch nur deinetwegen schlimm. Ich hab’ dich ja zu dieser Exkursion verleitet!“
„Ach, meinetwegen!“ sagte Olga wegwerfend. „Meinetwegen können wir die Nacht im Bahnhof auf den Holzbänken zubringen. Aber wenn du ängstlich bist, kehren wir um und fragen den Mann an der Sperre nach einem Gasthaus.“