Sie hatten den Handkoffer auf den Sitz heruntergehoben und standen nebeneinander an der Tür, die Stirn an die Scheibe gelegt, bemüht, mit den scharfen Augen das vorübersausende Dunkel zu durchdringen.

„Es ist viel Wald in der Gegend,“ sagte Olga. „Nadelwald.“

„Ja,“ frohlockte Mette, „darin gehen wir morgen spazieren.“

Der Wald hörte auf. Schiefergrauer, wolkiger Himmel schied sich von weit hingebreiteten, sanft gehügelten dunklen Feldern. Wieder Bäume, erst vereinzelt, dann dichter schwarzer Wald, der bis an den Bahndamm herantrat und nicht ein Streifchen Himmel mehr über den Gipfeln sehen ließ.

Wieder wurden die Bäume spärlicher, verschwanden. Wieder breiteten sich Felder in breiten Flächen. Aber in einer Entfernung, die man nicht schätzen konnte, wie eingebettet zwischen den sanft geschwungenen Linien, blinkte ein winziges Licht. Noch eins ... und noch eins ...

„Da ... da! Da!“ rief Mette entzückt. „Ob wir das sind?“

„Seltsam,“ sagte Olga, „vielleicht ist eins von diesen Lichtern morgen unser helles Fenster. Und vielleicht hat man nach zehn Jahren ein Heimatsgefühl, wenn man an diesen Lichtlein vorüberfährt. Und jetzt hat man keine Ahnung, wie der Ort da heißt!“

Ein Bahnwärterhäuschen glitt vorüber. Hier und da gleißte ein Stück der blanken Schienen im Lichtschein einer Laterne auf. Wieder traten Baumbestände bis dicht an den Zug, aber gelichteter, von vielen Wegen durchzogen. Dann lief eine Hecke ein Stück mit. Dann vor der beschnittenen Hecke ein hellgestrichenes Holzstaket. Dahinter, ganz nah, dunkelten schon die Umrisse einzelner Häuser. Nun kamen trüb brennende Laternen, eine Barriere, die eine dunkle, baumbestandene Chaussee abschloß.

Wieder ein Stückchen Wald oder Garten, im Hintergrund aufblinkend ein Lichtlein nach dem anderen – schon fuhr der Zug langsam, knirschte, puffte – hölzerne Säulen schoben sich heran, die ein schmales Schutzdach trugen ... er hielt.

Olga griff nach dem Handkoffer, drückte die Klinke auf und sprang die hohen Stufen hinunter.