„Na, und?“ fragte Mette erwartungsvoll.
„Ach ... es ist ja alles Unsinn ...“ sagte Olga mit einem gequälten Lächeln. Sie drehte den Kopf und sah angelegentlich aus dem Fenster in die schwarze Nacht, die draußen vorbeiflog.
„Sicher ist es Unsinn,“ sagte Mette herzlich. „Aber es quält dich doch. Wenn du es aussprichst, wirst du erst einsehen, wie unsinnig es ist. Sag’ es mir doch – dann lachen wir beide darüber.“
Olga wandte ihr das Gesicht wieder zu. Sie mühte sich, ein unsicheres Lächeln festzuhalten.
„Als Radomonte Gozaga in Genua einzog – in irgendeinem Rachefeldzug – ich weiß nicht, in welchem – da trug er ein Wams, auf dem ein Skorpion gestickt war und darunter sein Spruch: Qui vivens laedit, morte medetur. Ist das noch keine Antwort?“
Mette faßte nach Olgas Hand. Sie mußte erst einen Schleier zerreißen, den die schwer gesprochenen Worte über sie gebreitet hatten.
„Du bist ja verrückt!“ sagte sie. Aber ihre Stimme klang nicht klar. Sie mußte eine plötzliche Heiserkeit wegräuspern. – – –
Das Knirschen der Bremse lief unter den Wagen durch.
„Die sechste Station!“ sagte Mette geheimnisvoll mit großen Augen. „Die nächste ist unser Schicksal. Gebe Gott, daß es keine große Stadt ist!“
Als der Zug sich wieder in Bewegung setzte, fingen sie an, sich zum Aussteigen fertigzumachen. Die nächste Haltestelle konnte in zehn Minuten oder in einer Stunde erreicht sein. Sie wußten es nicht.