Ein hartes Lächeln flog um Olgas Mund.

„Dann würdest du mich in einen Mann verwandeln!“ sagte sie.

„Um Gottes willen!“ rief Mette und schlang erschrocken beide Arme um sie. „Nie, nie, nie! ... Aber wenn ich Wunder tun könnte, so würde ich diese Nacht niemals aufhören lassen. Ich würde sie dauern lassen in alle Ewigkeit!“

Der rote Schein des Kupfers hinter den Gasflämmchen erhellte das ganze Zimmer mit warmem Dämmerlicht. Die spitzen Flämmchen zitterten leicht, und der helle Fleck auf dem bunten abgetretenen Teppich zitterte mit.

Olga richtete sich auf den Ellbogen auf und stützte den Kopf in die Hand. Zwischen den weißen Fingern hindurch rieselten die Strähnen des schwarzen Haares. Aus dem blassen Gesicht leuchteten die helldunklen Augen in unendlicher Hoheit und Klarheit wie zwei Sterne.

„Ewig!“ sagte sie leise. „Alles, was Gottes ist, ist ewig. Fühlst du nicht, daß diese Nacht Gott gehört? Zeit ist eine Erfindung des Teufels. Der Satan hat die Vergänglichkeit erfunden, um die Menschen von Gott abtrünnig zu machen. Aber Gott blieb ewig, und Gottes Herrlichkeit bleibt ewig. Da hat Satan alles mögliche andere erfunden: Krankheit, Schmerz, Ungeziefer und Geld ... vor allem das Geld. Aber nun war Zeit da und Vergänglichkeit da. Und ließ sich nicht wieder ungeschaffen machen. Und haftet nun an allen Erfindungen des Teufels. Aber, was Gottes ist, ist ewig. Immer verlöscht neues Glück die alte Qual, als wäre sie nie gewesen. Aber das Glück bleibt. Und keine Qual kann es ungeschehen machen. – Ich würde sterben vor Scham, wenn ich dächte, daß nur die Nervenenden unserer Haut unter unseren Händen vibrieren. Spürst du nicht, daß deiner Seele etwas geschehen ist, was ihr bleiben muß über allen Tod hinaus? Spürst du nicht, daß diese Stunde dich weit mehr verändert hat, als dich das bißchen Sterben verändern kann?“

„Ja,“ sagte Mette. „Und mehr als das bißchen Geborenwerden auch. Heut’ bin ich geboren worden und nicht vor zwanzig Jahren. Jetzt kann ich zum erstenmal mit Bewußtsein sagen: Ich lebe!“

„Wir leben!“ sagte Olga, sie an sich reißend, mit einem Aufjauchzen in der Stimme, das klang wie der frohlockende Ruf eines auffliegenden Wildvogels.

„Wir leben, Süßes. Ewig, ewig, ewig leben wir!“ – – –

Als Mette am anderen Morgen aufwachte, schien eine helle, fröhliche Wintersonne ins Zimmer.