„Wo kommst du her, du Rumtreiber?“ fragte Mette.
„Ausgeschlafen, mein Deern?“ fragte Olga zur Antwort. „Ich war schon spazieren. Ich war in der Stadt. Ich wollte dir Blumen auf den Frühstückstisch stellen. Aber Blumen im Winter – so sündhafte Dinge kennt man hier nicht. Herr Thielemann hat nur Stechapfelkränze mit Wachsrosen. Aber eine Konditorei ist da drüben, so mit einer Geländertreppe vor der Tür, weißt du? Und einem goldenen Kringel in der Luft! Und es roch nach frischem Brot. Mach dich schnell fertig, Mettulein, ich habe einen wahnsinnigen Hunger.“
Sie frühstückten auf dem Zimmer.
Dann drängte Mette zum Spazierengehen. Schnee und Sonne lockten sie hinaus.
„Du mußt erst an deinen Vater schreiben,“ sagte Olga ernsthaft.
„Ja,“ sagte Mette und schnitt eine Grimasse. „Du willst keine Verantwortung übernehmen – ich weiß schon.“
Sie setzte sich hin und schrieb einen langen und wohlüberlegten Brief. Sie bat um Verzeihung. Sie schilderte die Vorgänge bei Onkel Jürgen mit viel Humor. Sie nannte ihren Aufenthalt, bat ihren Vater herzlich, sie hier zu lassen, wo sie sich wohl fühle und niemandem im Wege sei. Bat ihn, ihr zu glauben, daß sie ein reifer und klarer Mensch sei und genau wisse, was zu ihrem Besten wäre. Bat ihn, das Geld, das Onkel Jürgen ihr unfreiwillig geliehen, zurückzuzahlen – die kurze Zeit bis zu ihrer Mündigkeit sie zu unterstützen oder ihr einen Vorschuß auf das großmütterliche Erbe auszahlen zu lassen. – Aber davon, daß sie nicht allein sei, schrieb sie kein Wort.
Sie trugen den Brief zusammen nach der Post. Olga wußte schon den Weg dahin. Als der Umschlag in den blauen Kasten versenkt war, atmete sie auf und nahm Mettens Arm.
„Komm,“ sagte sie, „was zu tun war, ist getan. In drei Tagen kann die Antwort da sein. Aber die drei Tage wollen wir genießen.“
„Glaubst du,“ sagte Mette mit finsterer Stirn, „daß eine Macht der Welt mich zwingen kann, nach Hause zurückzugehen? Wenn sie mir kein Geld schicken, geh ich als Waschfrau oder als Nähmädchen, oder ich mache Schulden.“