„Na, lassen Sie man, Berta,“ sagte sie begütigend, „Sie werden ja auch bald heiraten. Es ist doch immer das beste. Man will ja gerne schuften. Aber es ist doch immer was anderes, wenn man für die eigene Wirtschaft schuftet.“

„Ja,“ sagte Berta überzeugt und blieb eine Weile gedankenvoll mit offenem Munde stehen, „nun will ich aber mal nach was zu essen fragen.“

Damit machte sie kehrt und schoß hinaus.

„Herrlich,“ sagte Olga und witterte wie ein Jagdhund mit erhobener Nase. „Es riecht so gut nach Kraut und Hammelfleisch.“

Mette schüttelte den Kopf.

„Ein komischer Kerl bist du,“ sagte sie lachend. „Hier findest du das herrlich, und wenn’s in der Motzstraße nach Kohl riecht, kriegst du Ohnmachten und Tobsuchtsanfälle.“

„Erlaube mal, das ist vielleicht ein Unterschied, wenn’s in einem Berliner Zimmer mit Jugendstilmöbeln und einem Prismenkronleuchter halb nach Kohl riecht und halb nach billigem Heliotropparfüm, so erzeugt das einen Nervenzustand, der einen direkt zum Selbstmord treiben kann. Hier muß es einfach ein bißchen nach Ofendunst riechen und ein bißchen nach Schweinestall und kräftig nach Kümmelkohl – das ist gerade das Richtige. Wenn meine Freundin Berta hier mit dem Messer ißt, stört mich das gar nicht. Aber wenn ich’s im Schweizer Hof in Luzern sehe, könnt’ ich aus der Haut fahren.“ – – –

Die schwarzweiß gefleckte Katze kam ins Zimmer geschlichen.

„Da hast du den Waldkater!“ sagte Olga. „Komm her, Mies! Komm zu mir!“

Die Katze ließ sich greifen und halten. Olga streichelte sie, drückte sie an sich, erzählte ihr im Flüsterton lange Geschichten und richtete teilnehmende Fragen an sie.