„Schön warm haben Sie’s hier, Fräulein Berta.“ Olga zog die Handschuhe aus und hielt die Finger vor die Ofenglut. „Und herrlich riecht’s hier nach Kraut. Wollen Sie uns nicht was abgeben von Ihrem Mittagbrot?“
Das grinsende Mädchen wischte mit der Schürze über einen Tisch.
„Wenn die Damen was zu essen haben möchten, kann ich ja mal die Frau fragen.“
„Herrlich, Fräulein Berta! Und wenn wir was zu trinken kriegen könnten – einen Grog oder Glühwein oder sonst so was Gutes.“ Olga blinzte dem Mädchen zu, als hätte sie ihr ein Geheimnis anvertraut. „Wir sind nämlich mächtig durchgefroren.“
Sie stemmte die Füße gegen den heißen Ofen, daß die nassen Sohlen anfingen zu zischen.
„Sagen Sie, was ist eigentlich aus der Anna geworden? Daß ich Sie verwechselt habe! Die war ja viel kleiner als Sie!“
„Ja,“ sagte Berta, „die war man schwächlich. Sie hat geheirat’t.“
„Geheiratet?“ sagte Olga überrascht. „Sieh mal an! Dabei war sie doch gar nicht mal so hübsch.“
„Ne,“ sagte Berta, „hübsch war sie nich. Un schwächlich war sie auch man. Aber sie hatte ’n Mundwerk, ’n Mundwerk hatte sie. Un das sticht manch einen ins Auge.“
Olga blieb ganz ernst.