„Was? Wo?“ fragte Mette erstaunt.

Olga wies mit der Hand vorwärts. Zwischen den Stämmen wurde plötzlich eine rote Backsteinmauer sichtbar.

„Hast du denn gewußt, wo wir hingehen?“ wunderte sich Mette.

„Natürlich, Kind! Ich werde dich doch nicht aufs Geratewohl in der Irre herumführen. Dieses muß nach menschlichem Ermessen der Waldkater sein. Im Sommer gibt’s hier Kaffeekochen, Musik und Tanzvergnügen. Im Winter kriegen wir vielleicht was zu essen – wenn wir Glück haben. Das hat mir alles unser Hausknecht heute früh erzählt. Außer seiner Lebensgeschichte – – es gibt so ein schönes Märchen – – Bechstein, glaub’ ich – – von der verwunschenen Mühle, wo nur der Esel, die Katz und die Taube sind. Und noch irgendein Tier. Siehst du, da fliegt die Taube auf, und da ist die Katz. Aber kein Mensch zu erblicken. Graust dir’s schon, Mette? Ganz sicher, die Katze will uns was sagen!“

Sie durchschritten eine Art Wirtschaftshof und rüttelten an ein paar verschlossenen Türen.

„Es kann nicht ausgestorben sein,“ sagte Olga und deutete auf ein Rauchwölkchen, das aus dem Schornstein aufstieg. „Oder die Katz hat Feuer angemacht. Aber wenn sie das kann, kann sie uns auch was zu essen kochen.“

Sie fanden eine Tür offen. Durch einen leeren und kalten Saal, von dessen Decke zerfetzte und verstaubte Papiergirlanden herunterhingen, kamen sie an eine andere Tür, die einem Druck auf die Klinke nachgab. Dieser nächste Raum war erfüllt von behaglicher Wärme und durchdringendem Kohlgeruch. Ein eiserner Ofen fauchte glühende Luft und auf ihm brodelte ein blauer Emailletopf mit einem dampfenden Inhalt. An einem der Tische, breit aufgestützt, saß eine grobknochige Magd und messerte ihr Kohlgericht aus einem blechernen Napf.

„Guten Tag, Fräulein Anna,“ sagte Olga strahlend liebenswürdig. „Na, wie geht’s Ihnen denn? Schmeckt’s?“

Das Mädchen stand langsam auf und grinste.

„Ich heiß’ nicht Anna,“ sagte sie, „die vorvorige war die Anna. Ich heiß’ Berta.“