„Vielleicht schick’ ich dich auch!“ sagte sie hart. – – –

Am Nachmittag machten sie wieder einen weiten Spaziergang über die Felder. Der frühe Abend überraschte sie, und sie kamen erst in der Dunkelheit heim.

Sie gingen auf der Landstraße, hart ankämpfend gegen den Wind und sahen vor sich im blauen Dämmern die aufblitzenden Lichter der Stadt.

„Seltsam,“ sagte Olga, „wir gehen nach Hause. Da liegt eine Stadt vor uns, deren Namen ich vor drei Tagen noch nicht gekannt habe, und da bin ich zu Hause. Da liegt ein Hotelzimmer, in dem vor drei Tagen vielleicht noch irgendein Kommis nächtigte, ein Zimmer, in dem nicht ein Möbelstück nach meinem Geschmack ist, in dem nicht ein Bild und nicht ein Buch mich lockt – und da bin ich zu Hause. Wenn ich an unseren Gasofen denke und an den Feuerschein auf dem schäbigen Teppich, dann wird mir so warm, daß ich den Wind nicht spüre. Wie muß einem Menschen zumute sein, der wirklich ein eigenes Heim hat. Wo er jeden Sessel liebt und die Farbe des Teppichs und das Licht der Lampe und jedes Kissen und jedes Bild und jede Tasse.“

„Das könntest du doch haben,“ sagte Mette.

„Ich?! – Nie, nie, nie!“

„Doch!“ sagte Mette etwas zaghaft. „Wenn du Geduld hättest ... in einem halben Jahr.“

Olga lachte kurz auf. „Kind!“ rief sie und drückte Mettens Arm fester an sich. „Liebes, süßes, wundervolles, kleines Geschöpf! In einem halben Jahr! Wo bist du da und wo bin ich da? Vielleicht bist du verheiratet – und ich bin tot.“ – – –

Als sie in das Zimmer traten, leuchtete von der dunklen Tischdecke etwas Weißes ihnen entgegen. Mette nahm es auf und lief damit ans Fenster. Der Schein einer Laterne draußen gab ein schwaches Licht.

Es war ein dringendes Telegramm.