„Sie war einmal krank im Frühjahr, es war eine leichte Influenza. Sie fieberte ein bißchen, da saß ich drüben bei ihr, und sie sprach in einemfort von Tod und Begräbnis, ganz heiter und ausgelassen, wie es ihre Art war. Du weißt ja, man wußte nie, ob es Scherz oder Ernst bei ihr war. Da sagte sie noch: Peterchen, wenn ich jetzt sterbe, dann sorge dafür, daß es geheim bleibt. Es soll in keine Zeitung, kein Mensch soll es wissen. Auch die Mette nicht. Am liebsten wär’ es mir, du streutest meine Asche ins Meer oder wenigstens in den Wannsee. Aber das erlaubt der Staat, glaub’ ich, nicht. Nur mach schnell, daß der Rest verbrannt wird. Ich will kein Gfrett haben mit meinem Leichnam, ich will’s nicht. Ich bin nicht drin, merkt’s euch. Nicht eine Minute länger, als unbedingt nötig, halt ich mich in dem Kadaver auf.“

Metten war, als höre sie Olga reden. So deutlich hörte sie ihre Stimme, daß ihr Herz sich mit einer innigen Freude füllte und sie lächelte.

„Ich hab’ damals auch gelacht,“ sagte Peterchen wehmütig, „da wurde sie ganz ernst und richtete sich auf und sah mich an. Du weißt ja, wie sie einen ansehen konnte mit so gewaltsamen Augen und sagte:

‚Es ist mein heiliger Ernst. Versprich es mir, gib mir dein Ehrenwort!‘ Ich versprach es ihr auch, aber ich sagte noch:

‚Du bist ja verrückt, in drei Tagen bist du doch wieder gesund.‘

Sie war ja auch in drei Tagen wieder gesund.“

Er schwieg. Irgendwo tickte eine Uhr und Fliegen stießen surrend gegen das Fensterglas.

Irgend etwas erfüllte Metten ein paar Sekunden lang mit Beruhigung und Freude. Eine unklare Empfindung: wie gut, daß Olga in ein paar Tagen gesund geworden war. Es steckte so viel kraftvolles Leben in diesem schönen Körper.

Dann schlug ihr das Jetzt wie eine geballte Faust aufs Herz.

Und jetzt? Und jetzt?