„Französisch!“
Der Schaukelstuhl glitt wieder zurück. Über Olgas Gesicht zuckte nicht der Schein eines Lächelns. Sie sagte mit so langgezogener Verwunderung, als hätte ihr jemand im Ernst eine überraschende Mitteilung gemacht:
„Französisch soll das sein?!“
Nun wollte Emmi ihr das Buch aufdrängen. Ob es wirklich Bildungstrieb bei ihr war oder die Absicht, sich vor den anderen mit Olgas wunderschönem Französisch großzutun, sie quälte und quängelte:
„Lies du doch, ach bitte, bitte, nur eine halbe Seite, nur einen Satz!“
„Hältst du mich für verrückt?“
„Ach bitte, bitte!“
„Den Deibel auch! Ich bin doch nicht eure Gouvernante!“
Und da das Buch sich nicht von ihr entfernen wollte, knipste sie mit den Fingern dagegen, daß es mit einem schönen großen Bogen auf den Teppich hüpfte und mit zugeschlagenen Deckeln liegen blieb.
Mette war sehr froh. Nun war die Leserei für heute beendet. Sie brauchte nicht die langen Sätze des Königs zu lesen, vor denen sie sich schon gefürchtet hatte. Sie brauchte sich nicht zu blamieren und nicht zu langweilen. Und vor allem – sie konnte ihren Stuhl herumdrehen und Olga Radó anstarren.