„Ach, Unsinn!“ sagte Fanni und nahm den beleidigten Hund zärtlich in die Arme. „Mein Hund hat keine Würmer! Nicht wahr, Mäuschen, wo du doch so schön rein gehalten wirst?“
Der Hund schnupperte zärtlich nach ihrem Gesicht.
Olga zog die Brauen zusammen und machte eine hastige Bewegung, als wollte sie ihr den Hund wegnehmen. Aber sie unterbrach sich und lehnte sich in den Schaukelstuhl zurück.
„Meinetwegen,“ sagte sie, „der Mensch muß an dem zugrunde gehen, was er liebt. Mir wär ja so ein Köter das nicht wert. Aber wenn es dir Vergnügen macht. Schließlich, ob du nun am Echinokokkus krepierst, oder ob dich nachher ein Liebster oder kirchlich angetrauter Gatte mit Syphilis behaftet ...“
Die drei Mädchen kriegten glühendrote Köpfe und fingen an zu kichern.
Auch Olga Radó wurde rot. Aber es war eine andere Art zu erröten. Die hellen Gesichter der blonden Mädchen waren wie gedunsen vom Blut und vom unterdrückten Lachen. Über Olgas Gesicht lief das tiefe Rot wie ein flüchtiger Schatten, wie eine Wolke, die für einen Herzschlag selbst die Augen verdunkelte.
„Gänse!“ sagte sie zornig, „da ist doch, weiß Gott, nichts zu lachen.“
Die Mädchen wollten sich entschuldigen und konnten vor Prusten und Kichern nicht reden.
Olga hob die Hand und ließ sie fallen – durch die abendliche Dämmerung leuchtete die lange, schmale Hand mit einem seltsamen Glanz wie Silber oder Perlmutter – mit einer Geste, die ganz deutlich „Ach, laßt doch!“ sagte, so deutlich, als stände es in der Luft geschrieben.
Sie saß jetzt ganz vornübergebeugt. Ihre Hände lagen wie müde zwischen ihren Knien. Sie starrte hinaus in das blaue Dämmerlicht und das knospenbedeckte Gewirr der braunen Zweige.