Sie schwiegen alle eine Weile. Dann fingen Emmi und Erika ein Gespräch an, im Flüsterton, als wagten sie kaum, sich bemerkbar zu machen.

So plötzlich stand Olga auf, daß der Schaukelstuhl nach rückwärts flog.

„Macht Licht an!“ sagte sie beinah herrisch. „Ich werd’ euch die Karten legen!“ –

Sie saß am Tisch unter der Lampe. Das gelbe Licht fiel schimmernd auf ihr Haar und auf ihre hellen Hände, die mit raschen Bewegungen die Karten mischten und ausbreiteten.

„Wem zuerst? Dir, Fanni? Dann mußt du abheben – dreimal – so! Muß ich nun auch erst Hokuspokus sagen, oder glaubt ihr mir so? – Die Karodame bist du – da liegt ein schwarzer Jüngling – da liegt eine Reise, in der Vergangenheit – ein heimlicher Brief – in der nächsten Woche – oh, Ärger im Haus – das hängt mit dem Brief zusammen – Trennung – viele Tränen – siehst du die Treffzehn? – Da liegt eine große Veränderung – eine neue Bekanntschaft – ein blonder Herr – Verlobung und Heirat – viel Glück ins Haus – aber der Schwarze liegt doch dazwischen – neben dem Blonden liegt Reichtum und große Ehre ...“

Die Mädchen horchten in fieberhafter Spannung, Fanni preßte die Hand mit dem Taschentuch vor die Zähne und kniff Emmi bei jedem Wort in den Arm, während Emmi und Erika mit mühsam unterdrücktem Gekreische in halb artikulierte Rufe ausbrachen, die man ganz gut als „Max“ und „Travemünde“ deuten konnte.

„Ich glaube nicht an Kartenlegen,“ sagte Erika Hannemann überlegen, „aber aus der Hand wahrsagen, da ist schon eher was dran. Meinem Vetter hat mal eine Zigeunerin gewahrsagt ...“

„Kannst du aus der Hand wahrsagen?“ schrie Emmi. „Ach, bitte, bitte, Olga, kannst du nicht aus der Hand wahrsagen? Oder besser aus den Karten?“

„Ich kann auch aus der Hand wahrsagen,“ sagte Olga, „genau so gut wie aus den Karten.“

Sie nahm Emmis kleine, rundliche Hand und zog gedankenvoll die Linien nach.