Olga Radó sagte von Zeit zu Zeit: „Ja, nicht?“ – „nein!“ – „so!“ – „ach!“ – „nein!“ –

Mette schwieg.

An irgendeiner Ecke nahm Erika Hannemann Abschied und bog links um.

Olga und Mette gingen eine Weile schweigend mit raschen Schritten nebeneinander her.

Mette hätte längst abbiegen müssen, wenn sie auf dem nächsten Weg nach Hause wollte. Sie kam sich aufdringlich vor, daß sie immer noch nebenher lief, aber sie war viel zu froh, daß Erika endlich fort war – so, als sei nun die Luft reiner geworden und man könne freier ausschreiten – es war eine Freude, sich dem Takt dieser schönen und gleichmäßigen Schritte anzupassen, und sie tröstete sich damit, daß ja niemand wußte, wo sie wohnte, und daß sie ein Recht auf die Straße hatte, gerade so gut wie jeder andere auch.

Mette sah jedem Haus mit einer gewissen Beklommenheit entgegen: War es nun dies oder das nächste, an dem Olga Radó stehenblieb, nach einem flüchtigen Gruß hineinging, eine schwere Tür hinter sich verschloß und die Straße sehr einsam und öde hinter sich zurückließ?

Nach einem minutenlangen Schweigen sagte Olga plötzlich:

„Es war nicht richtig, in Gegenwart dieser Kälber von Syphilis zu reden, gelt? – Sie werden sehr chokiert gewesen sein.“

„Ich?“ sagte Mette und bekam einen roten Kopf.

„Nein, nein! Sie nicht! Sie – klein geschrieben – die Kälber.“