„Aber, gnädiges Fräulein! Machen Sie sich darüber Gedanken?“ Es schien Metten wirklich höchst lächerlich, sich über das Urteil der Kälber Gedanken zu machen.
„Ja doch!“ Olga Radó wandte den Kopf und heftete die Augen einen Moment lang scharf und ernst auf ihr Gesicht. „Denken Sie, ich mache mir darüber Gedanken. So etwas kann mich direkt quälen. Ich verkehre nur mit so erwachsenen Menschen, daß ich ganz die Schätzung verloren habe, was man in einer solchen Gesellschaft sagen darf. Ich glaube, die jungen Mädchen aus guter Familie dürfen von Syphilis nicht eher etwas hören, als bis sie sie selber haben.“
Mette lachte mit geschlossenen Zähnen leise auf.
„Es wäre schon zum Lachen,“ sagte Olga Radó, „wenn es nur nicht so furchtbar traurig wäre. Ich habe jetzt wieder so einen Fall erlebt. Darum komme ich mit den Gedanken nicht los davon ... Sagen Sie, war ich sehr unliebenswürdig zu dem kleinen Ekel?“
Jetzt lachte Mette hell auf.
„Zu wem?“
„Ich weiß nicht, wie das heißt. Was hier neben uns herlief. Sie sind doch nicht befreundet, gell, nein? Verzeihen Sie, das war eine dumme Frage!“
Metten war, als hätte noch nie im Leben jemand ihr ein solches Lob gespendet. Sie war stolz und dankbar zu gleicher Zeit.
„Ich bin mit keinem Menschen befreundet,“ sagte sie, ernster und schwerer, als es eigentlich ihre Absicht gewesen war.
Nun war doch das Haus da, vor dem Olga Radó plötzlich stehenblieb.