„Hier bin ich daheim,“ sagte sie, „wenn man ein Pensionszimmer ‚daheim‘ nennen darf. Aber – schließlich – was darf man so nennen? Kennen Sie die Pension Flesch?“
„Ich kenne überhaupt keine Pensionen.“
„Sie Glückliche! Sie wohnen bei Ihren Eltern!?“
„Bei meinem Vater.“
„Ach, die Pension ist ganz nett. Ich habe in schlimmeren gehaust. Kommen Sie doch gelegentlich mal hinauf zu mir und schaun’s sich meine Bude an!“
„Aber gern!“ – – –
Dies „gern“ war keine leicht hingesprochene Redensart.
Mette dachte in der nächsten Zeit Tag und Nacht darüber nach, wie sie es anstellen sollte, dieser Aufforderung zu folgen und Olga Radó aufzusuchen.
Sie war manchmal schon auf dem Wege, hinzugehen. Dann kehrte sie um, weil sie sich lieber vorher telephonisch anmelden wollte. Wieder schien es ihr unpassend, einen Menschen durch telephonischen Anruf zu stören. Sie wollte ihr schreiben. Aber das gab der Sache einen solchen Anstrich von Wichtigkeit und Förmlichkeit, nahm ihr alles Zufällige, Gelegentliche. Und dann – wenn sie eine höfliche Absage bekam, war ihr jede Möglichkeit genommen, einen weiteren Versuch zu machen. Wenn sie dagegen einfach hinging und sie nicht antraf, konnte sie ihre Karte mit ein paar Worten dalassen – und auf eine Nachricht warten.
Sie ging – ging bis vors Haus und ging doch wieder nicht hinauf. Aber sie ging ein paarmal die Straße auf und ab und stand sehr lange und versunken vor einigen äußerst reizlosen Auslagen. Es hätte doch sein können, daß Olga Radó zufällig gerade um diese Zeit das Haus verließ, oder besser noch, heimkam, und sie aufforderte, mit hinaufzugehen.