Außerdem pflegte Mette den Verkehr mit Möbiussens mit rührendem Eifer. Sie lud sie ein, sooft es Tante Emilie erlaubte, sie ging hin, sooft sie aufgefordert wurde; sie hatte zwischendurch hundertmal zu telephonieren, um irgendeine Verabredung festzustellen. Sie lieh sich Bücher aus, die sie holen und wiederbringen mußte und bemühte sich bei alledem, so liebenswürdig zu sein, daß Frau Konsul ganz entzückt von ihr war und Tante Emilien gegenüber nicht oft genug betonen konnte, wie Mette sich zu ihrem Vorteil verändere – was Tante Emilie meist mit einem stummen und fast beleidigten Achselzucken erwiderte.

Das ging durch Wochen so. Aber Mette verlor die Geduld nicht. Es war genug, wenn von Zeit zu Zeit ein Wort fiel, „... wie Olga immer sagt“ oder „das hat Olga so gern“. Es war genug und fast zu viel, wenn Fanni sagte:

„Gestern abend war Olga auf einen Sprung oben, ich finde, sie sieht schlecht aus!“

Oder, wenn Emmi, die sich in dieser Zeit so etwas wie eine Schwärmerei für Mette zurechtlegte, sagte:

„Mette hat so wunderschöne Hände, beinah so schöne wie Olga ...“

Ach, es war genug, den kleinen schwarzen Hund auf den Knien zu halten und ihn lachend „Sophonisbe“ zu nennen.

All das gab Hoffnung und Spannung für Tage. Mette fing in dieser Zeit an, das Leben schön zu finden.

Aber sie wußte nicht, warum. – – –

Eines Abends – die Mädels saßen noch im Dämmer zusammen – weil es sich besser reden ließ als beim grellen Lampenlicht, und Mette ließ sich zum drittenmal die Geschichte von Max und Travemünde erzählen, und wie es „angefangen“ hatte – schrillte die Klingel, und ein paar Sekunden später klang im Nebenzimmer mit Frau Konsuls dünnem, sanftem Organ die tiefe, tönende Stimme, die Metten ein Erschrecken bis ins Herz jagte.

Sie kannte diese Stimme so genau und fürchtete doch, daß sie sich täuschen könnte. Sie wollte fragen: „Ist das nicht Olga?“ und fürchtete, ein „Nein“ als Antwort zu bekommen. Und mehr als alles fürchtete sie, daß dies Gespräch nebenan verstummen könnte – daß die Türen gehen könnten und es nachher heißen würde: „Eben war Olga auf einen Moment hier“.