Die Stimmen verstummten nicht. Sie wurden lauter, kamen näher, die Tür wurde rasch und weit aufgemacht, und im Rahmen stand Olgas hohe Erscheinung, abgehoben von dem gelben Licht, das das Nebenzimmer füllte, wie ein gedunkeltes Bild von goldenem Grund.

„Kinder, wollt ihr morgen bei mir Tee trinken?“ rief sie in das dunkle Zimmer. „Ich habe ‚Kugler‘ geschickt bekommen.“

Die beiden Möbius-Mädchen juchten auf.

Emmi rückte einen Stuhl und wollte Olga hineinziehen, aber die wehrte ab und ließ die Hand nicht von der Türklinke.

„Nein, nein, Kinder, ich habe keine Minute Zeit. Aber kommt morgen zeitig, um vier, halb fünf spätestens, ich muß abends in die Oper.“

Mette rührte sich nicht. Als die Tür aufging, hatte sie ein halblautes „Guten Abend“ gesagt. Nun schien es ihr aufdringlich, sich irgendwie bemerkbar zu machen. Vielleicht hatte Olga sie in ihrer dämmerigen Ecke gar nicht gesehen. Vielleicht hatte sie sie aber auch nicht sehen wollen. Es wäre ja begreiflich gewesen. Aber irgend etwas tat weh dabei.

„Wollen Sie nicht mitkommen, Fräulein Rudloff? Wenn Sie nix Besseres vorhaben – Sie sind herzlichst eingeladen ...“

„Gern!“ sagte Mette, und wurde blaß vor Freude. – – –

Am andern Tag brachte Mette so viel Zeit damit hin, sich anzuziehen und herzurichten, als ob sie zum Ball gehen wollte.

Tante Emilie war für Ordnung und Sauberkeit in der Kleidung, soweit das eben zur Musterhaftigkeit gehörte, aber beileibe nicht für mehr. Ein Mensch, der mit aller Gewalt hübsch aussehen wollte, der war schon halb in den Krallen des Satans.