„Ich würde mir doch an deiner Stelle eine Maniküre kommen lassen!“
„Wer ist denn da noch? Bloß ihr drei?“
Angesichts dieser Inquisition beschloß Mette, lieber in Rock und Bluse zu gehen und des blauen Taffetkleides lieber gar nicht erst Erwähnung zu tun. – – –
Als Mette die Wohnung verlassen wollte, stand Tante Emilie mit Kapotthütchen und Regenschirm bereits an der Flurtür. Sie kam mit bis zu Möbiussens. Sie hatte schon längst die Absicht gehabt, Frau Konsul einmal aufzusuchen.
Nun sei ja sehr gute Gelegenheit. Ihrer Nichte sei doch hoffentlich die Begleitung nicht unangenehm?
Mette schwieg. Sie fühlte das lauernde Mißtrauen und glühte vor Zorn. Sie konnte keine liebenswürdige Antwort geben. Sie gingen wortlos nebeneinander her, und in beiden brannte der Haß mit schwelender Flamme. – – –
Mette hatte den Druck der Mißstimmung, der auf ihr lag, noch nicht abschütteln können, als sie schon längst mit den beiden schwatzenden Mädchen auf dem Weg war. Immer wieder verstärkte sich ihre Pein, wenn sie dachte: ... und ich hatte mich so gefreut.
Erst als sie das Haus wiedersah, als sie die Tür öffnete, die Treppen hinaufstieg, mit dem stolzen Gefühl, vollauf dazu berechtigt zu sein, da schlug die Freude wieder in ihr hoch, wie eine helle Flammenlohe durch Qualm und Rauch.
Mette brannte vor Neugier, das Zimmer zu sehen. Als das zierliche Hausmädchen sie durch den Türgang führte, empfand sie ein Gefühl, dem ähnlich, mit dem sie als Kind im Theater vorm geschlossenen Vorhang gesessen hatte, wenn die Musiker anfingen, ihre Instrumente zu stimmen.
Das Zimmer lag fast im Dunkel. Rolläden und Vorhänge waren so fest geschlossen, daß kaum ein Schimmer des regnerischen Tages die Fenstervierecke heller zeichnete. Direkt neben dem kleinen, niedrigen Teetisch stand eine hohe, buntbeschirmte Lampe, die ein blendendes Licht über das weiße Tuch, über das dünne, goldgeränderte Porzellan und über ein dunkelblaues, mit gelben Primeln angefülltes Jean-Beck-Glas warf.