Von dem übrigen Zimmer konnte man auf den ersten Blick nicht viel erkennen. Die Möbel schienen schwer und dunkel, an einer Wand glänzten im ungewissen Licht lange Reihen von Bücherrücken, hie und da gleißte die Ecke eines Bilderrahmens auf oder ein Stückchen spiegelnden Glases.

Olga empfing ihre Gäste mit einer Freude, die herzlich und aufrichtig schien.

Metten erschien es unbegreiflich, daß diese Frau sich nicht in kalten Hochmut wie in einen Panzer hüllte.

Die Mädchen konnten nicht aufhören, sich über die künstliche Dunkelheit zu belustigen.

„Ja,“ sagte Olga, „ich wollte doch meine Bude im vorteilhaftesten Licht präsentieren. Und am vorteilhaftesten ist so wenig Licht wie möglich. Außerdem – wenn vor der entsetzlichen grauen Brandmauer da drüben noch der Regen in Strippen herunterläuft, dann ist das auch weiter kein erfreulicher Anblick. So kann man denken, da draußen liegt ein Tannenwald im Schnee, oder Terrassen, die nach dem Meer hinunterführen oder der Donau-Kai in einer Mainacht, wenn die Akazien blühen.“

Mette wurde in einen tiefen Sessel genötigt.

„Ja, das müssen Sie sich schon gefallen lassen, Sie sind hier unser Ehrengast, Sie sind doch die Älteste! Jetzt sind Sie wahrscheinlich noch stolz darauf, wenn Sie erst so alt sind wie ich, dann hört es schon auf, eine Schmeichelei zu sein.“

Mette hatte sich in ihrem ganzen Leben noch nie so zu Hause gefühlt, wie in diesem Sessel.

Ihr gegenüber hockte Olga auf einem niedrigen Taburett, hatte schon längst die unvermeidliche Zigarette zwischen den Fingern und hielt sie zwischen den Zähnen fest, wenn sie die Hände brauchte, um Tee einzugießen oder Kuchen herumzureichen.

Sie war ersichtlich bemüht, ihre Gäste zu unterhalten, aber als Fanni und Emmi erst ins Schwatzen kamen und sich gegenseitig nicht mehr zu Wort kommen ließen, wurde sie still und hörte lächelnd zu – wie ein Erwachsener spielenden Kindern lauscht.