Auf Olga Radós Schreibtisch stand ein schöner Kasten aus schwerem, kantigem Kristall mit einem glatten Silberdeckel. Er war fast immer leer; denn die Zigaretten wurden so schnell aufgeraucht, daß es nicht lohnte, sie aus der Originalpackung herauszunehmen.
Eines Abends nahm Olga wieder einmal die letzte von fünfundzwanzig aus der Schachtel.
„O weh – das ist bös – Mette, sieh mal auf dem Schreibtisch nach – da sind natürlich auch keine ... ich bin doch ein Schaf!“
„Ich spring’ schnell hinunter und hole welche!“
„Nein, laß, du sollst nicht darum die Treppen laufen – wart’, gib mir einmal die Handtasche ’rüber. In meinem Etui müssen noch welche sein!“
Olga lag wieder auf dem Diwan, richtete sich halb auf, kramte Schlüssel, Taschentücher, Briefe aus der Tasche heraus und öffnete schließlich das Etui.
„Hurra! Dieu soit loué! Bei weiser Einteilung können wir durchhalten bis morgen früh! Magst du?!“
Sie reichte das offene Etui hinüber.
„Nein,“ sagte Mette, „ich verzichte liebend gern, sonst reichen sie am Ende doch nicht bis morgen.“
„Engel!“ sagte Olga und drückte das Schloß zu. „Mein einziger Trost ist, daß du dir nicht allzuviel daraus machst.“