Diese erste Begegnung war der Anfang einer treuen und langjährigen Freundschaft.

Otto Petermann war im allgemeinen gewiß nicht geneigt, sich selbst oder Neigungen, die seiner Persönlichkeit galten, zu überschätzen – aber ob es nicht doch manchmal Momente gab, in denen er glaubte, Mettens Gefühle ihm gegenüber für etwas anderes als ihre Liebe für den kleinen Zigarrenhändler halten zu dürfen?

„– Peterchen,“ sagte Olga, „hol’ die Geige und spiel’ uns was!“

„Ja, was?“ fragte Petermann.

„Etwas Anständiges. Für das kleine Mädchen ist nichts zu schade.“

Und Petermann spielte. Spielte das, was sie beide am meisten liebten, Olga und er, und was er nicht spielen wollte und nicht spielen durfte, wenn ihn Leute hörten, für die es „zu schade“ war.

Mette saß ganz still. Ihr war, als ob die Töne sie wie ein sanft flutender Strom dahintrügen, immer weiter, immer weiter, alles blieb zurück, die graue, schmutzige Stadt, ein Gemenge von keifenden und johlenden Leuten – blieb zurück, wurde kleiner, verschwand im Nebel, immer klarer wurde die Luft, immer reiner, immer tiefer das Wasser, immer lieblicher, immer freier die Ufer. Eine Insel tauchte auf, blühende Bäume ließen ihre tief herniederhängenden Zweige von den ziehenden Wellen tränken.

„Das ist die selige Insel,“ dachte Mette. „Nur Könige wandeln auf dieser Insel. Nur Könige trägt unser Schiff. Aber ich werde mitgenommen. Ohne all mein Verdienst und Würdigkeit. Ich will dankbar sein. Mein ganzes Leben lang. Vielleicht werde ich über Bord geworfen, eh wir an Land gehen. Aber nun weiß ich den Weg. Dann will ich versuchen zu schwimmen oder will untergehen. Aber ich will nicht mehr zurück. Nie, nie, nie mehr zurück!“ – – –

Peterchens Geige sang noch durch die Dämmerung.

An diesem Tage kam Mette das erstemal zu spät zum Abendessen nach Hause. Die lange, erregte und boshafte Rede, mit der Tante Emilie sie empfing, machte ihr den Eindruck, als ob schmutziges Wasser über sie ausgegossen würde. Sie schüttelte sich vor Ekel, aber sie empfand keinen Schmerz. – – –