„Fräulein Radó ist doch verreist,“ sagte sie zögernd. „Weiß das gnädiges Fräulein gar nicht?“

Im ersten Augenblick war die Scham dieses Nichtwissens in Metten größer als das Erschrecken. Sie fühlte sich vor dem Mädchen in lächerlichster Weise bloßgestellt.

„Doch, doch,“ sagte sie hastig. „Ich wollte nur die Bücher ins Zimmer legen. Aber ich kann sie ja auch Ihnen geben. Sie sind so gut, Fräulein Erna, und tragen sie hinein. Dann brauch’ ich mich gar nicht damit aufzuhalten. Ich hab’s sehr eilig. Auf Wiederschauen!“

Die erste Treppe sprang sie hinunter, damit das Mädchen ihre Hast hören sollte. Erst als die Tür oben längst ins Schloß gefallen war, ging sie langsamer.

Olga war fort. Ohne ihr ein Wort zu sagen, ohne sie noch einmal anzurufen, ohne ihr eine Zeile zu schreiben, ohne dem Mädchen eine Nachricht für sie zu hinterlassen.

Sie war fort. Ohne zu sagen, wohin. Ohne zu sagen, auf wie lange.

Mette senkte den Kopf sehr tief auf die Brust und ging ganz langsam, Stufe für Stufe. – – –

Einige Tage später hörte Mette das Telephon schrillen und das Mädchen im eiligen Trab den langen Türgang entlanglaufen.

Mette macht ihre Zimmertür auf.

„Für mich, Hedwig?“