„Das war der Mann aus der Bahn,“ sagte Mette. „Der hält dich für eine schöne Römerin und möchte für sein Leben gern mit dir anbandeln. Ich glaube, ich werde diskret sein und mich zurückziehen.“
Olga fuhr bei Mettes ersten Worten zusammen.
„Wir wollen umkehren!“ sagte sie hastig. „Trinken wir oben bei Schultheiß Kaffee. Der geht jetzt sicher nach dem schwedischen Pavillon, und ich habe keine Lust, ihm nachzulaufen.“
Mette lachte hell auf. „Meinetwegen kannst du! So hab’ ich mir den nicht vorgestellt, mit dem du mir davongehst! Einen so perversen Geschmack hätt’ ich dir nicht zugetraut! Aber da du so vor ihm fliehst, scheint es gefährlich.“
Olga antwortete mit keinem Wort, mit keinem Lächeln auf Mettens Neckereien. Sie preßte die Lippen aufeinander, zog die Brauen zusammen und ging so rasch, ein wenig vornüber geneigt, den Kopf gesenkt, die Schultern hochgezogen, als liefe sie vor einer unsichtbaren Peitsche.
Sie saßen oben beim Schultheiß und tranken ihren Kaffee. Aber Olgas gute Laune schien verflogen. Sie saß da, beide Hände in den Jackentaschen vergraben, als ob sie fröre und war zerstreut und einsilbig.
Sie hatte sich eben mit einem: „Du entschuldigst, ich muß rauchen“, eine Zigarette angezündet, als Mette den Herrn im braunen Überzieher in den Garten treten sah. Er stand einen Augenblick still, ließ einen prüfenden Blick über alle Tische gleiten, ging dann in entgegengesetzter Richtung, um nach einem weiten Bogen plötzlich wieder in ihrer Nähe aufzutauchen und, zwei, drei Tische von ihnen entfernt, Platz zu nehmen.
Metten erschien das sehr komisch.
„Der Mann aus der Bahn!“ frohlockte sie laut. „Jetzt ist es klar, Olga, du hast es ihm angetan.“
„Schweig’!“ sagte Olga hart. Und dann, als sie Mettens bestürztes Gesicht sah – wie mühsam gebändigt, mit schwergehendem Atem: „Er kann dich ja hören, Kind!“