Sie nahm die eben angerauchte Zigarette mit einer zornigen Bewegung aus dem Mundwinkel, preßte die Brandfläche gegen den Teller und drehte und drückte so lange mit nervösen Fingern daran herum, bis der Tabak aus dem zerrissenen Papier rieselte.
Mette fühlte, daß irgend etwas vorging, was sie nicht verstand. Eine dumpfe Beklommenheit schien plötzlich in der Luft zu liegen, teilte sich ihr mit und machte sie angstvoll und unsicher.
Nach einer kleinen Weile stand Olga auf. Mette griff nach ihrem Hut, der neben ihr auf dem Stuhl lag.
„Nein, laß!“ sagte Olga sehr bestimmt und lauter, als es sonst ihre Art war. Sie haßte es, in öffentlichen Lokalen, auf der Straße, in der Bahn so laut zu sprechen, daß auch nur der nächste Nachbar sie verstehen konnte. „Wir bleiben doch noch. Ich will nur eben telephonieren. Ich bin gleich wieder da.“
Mette wartete geduldig. Olga kam nicht wieder.
Schließlich fing sie an, sich zu ängstigen. Wenn ihr schlecht geworden wäre? Sie sah sie schon irgendwo hilflos, ohnmächtig liegen.
Sie lief ins Haus. Am Telephon war sie nicht. Wie sie sich suchend umsah, kam der Kellner, der sie bedient hatte, hinter ihr her. Sie suche wohl die andere Dame? Die hätte gezahlt und wäre gegangen – aber sie hätte einen Zettel am Büfett hinterlassen.
Mette holte sich den Zettel. Ja, die Dame hätte telephoniert und hätte nach dem nächsten Zug gefragt und wäre sehr eilig fortgegangen. Sie hätte nur noch dies hier aufgeschrieben. Der Kellner hätte es hinausbringen wollen, aber sie hätte gesagt, es wäre nicht nötig, die Dame würde es sich schon holen.
Mette dankte und lächelte und tat, als ob das alles die natürlichste Sache von der Welt wäre und wunderte sich, wie gut sie ihre Angst und Aufregung beherrschen konnte.
Sie ging erst ein paar Schritte weiter, ehe sie die verschlossene Hülle aufriß. Auf dem Bogen standen nur wenige Worte.