Wir wollen die Schrecken dieser Nacht nicht schildern, ihr alle kennt sie genau. Wenn eben das Licht erloschen, tönt aus dem fernsten Bett ein Angstruf – ein lautes Klatschen folgt. Schon ist die Mutter an der Seite des Schwergeprüften, hält seinen Kopf, tröstet, mahnt zur Ruhe. Dann ein Hin- und Herlaufen, Schränkeöffnen, Klappern, Wäscheholen, Stöhnen. Endlich ist das arme Lager wieder in Ordnung. Ruhe! –

Neues lautes Aufschreien von der anderen Seite. »Au – au – au! Bitte, Mutti!«

»Kind, so schlaf doch endlich; es wird bald besser!«

»Au – au! Ich kann’s nicht mehr aushalten!« Neues Klatschen, Jammern, Stöhnen! – Wieder Rennen hin und her – immer neue Anstöße – wie Erdbeben. –

Endlich schläft die arme Mutter ein wenig. – Leises Zupfen und Wimmern weckt sie. »Es tut zu weh! Bitte, laß mich in dein Bett. Allein halt ich’s nicht mehr aus!« Geduldig macht sie Platz, streicht und reibt das arme Bäuchlein nach Kräften. Die Schmerzen scheinen endlich nachzulassen. Als der graue Morgen über dem Schlachtfeld hereinbricht, erwacht sie mit ganz zerschlagenen Gliedern auf einer Kante ihres Lagers; der kleine Eindringling hat breit von der Mitte Besitz genommen! Sie trägt ihn in sein eigenes Bett zurück, wickelt ihn warm ein, schließt die Fenster und zieht die Vorhänge zu. – Vielleicht kann man noch ein wenig Ruhe nachholen!

Als drei bleiche, übernächtige Gesichter spät am Frühstückstisch erscheinen und betrübt den Kamillentee in ihren Bechern riechen, einen kleinen Zwieback daneben statt des schönen Honigbrotes, das es sonst gibt, da deklamiert der Hausherr:

»Wer nie sein Brot mit Tränen aß,

Wer nie die kummervollen Nächte

Auf seinem Bette weinend saß,

Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!«