»Und Lena läßt sich völlig von Ilse ins Schlepptau nehmen! Letzthin kam sie auch schon mit langen Handschuhen an und erzählte, ihre Tante wolle ihr einen Sonnenschirm schenken.«

»Käte, sei da auch nicht zu ungeduldig. Sieh, Ilses große Fehler sehe ich ganz gewiß, und sie betrüben mich. Aber im tiefsten Herzen ist sie ein ›guter Kerl‹! Und glaubst du, daß sie sich sehr wohl fühlt bei ihren Torheiten? Manche entspringen sicher nur aus Langerweile. Du weißt ja, ihre Mutter muß sie viel allein lassen.«

»Muß?« fuhr Käte auf. »Tante Else, würdest du dir so ein ›Muß‹ vorschreiben lassen, wenn es sich um dein einziges Kind handelt?«

Frau Gerloff lachte laut auf.

»Käte, was hast du wieder gelesen? Du redest wie ein Buch! – Du siehst ja, ich lasse mich nicht von meinem einzigen Kinde losreißen; aber deshalb maße ich mir doch noch kein Recht an, Frau von Herders Leben zu verurteilen. Sieh, Vorstandsdamen muß es auch geben, und manche von ihren Geselligkeiten sind wirkliche Pflichten. Dazu ist sie von Kind auf in so völlig anderen Gedanken erzogen, als deine liebe Mutter und ich, daß notwendig ihr Leben anders verlaufen muß als unseres! Sowohl sie als auch Ilse tun mir oft leid. Desto mehr wünsche ich Ilse eine treue, feste Freundin, die ihr zuweilen die Augen öffnet. Meinst du, man hat Freundschaft nur, um zu genießen? Sicher nicht! – Aber du bist mein liebes Kind,« fügte sie hinzu, indem sie eine Träne wegküßte, die sich von neuem hervorstahl. »Du verstehst mich schon! Und wenn ihr dann zu den Ferien kommt, haben wir uns so – soviel zu erzählen!« –

Auch Käte ging stiller und nachdenklicher, als sie gekommen war, die Treppe von der schönen, freundlichen Gerloffschen Wohnung wieder hinunter. Ach, daß all die frohen Stunden, die sie dort verlebt, nun auf immer vorbei sein sollten!

2. Kapitel.
Abschied.

Es kamen unruhige Tage. Ganz gegen ihre Gewohnheit mußte Frau Gerloff viel unterwegs sein, und Hanni machte alle Stadien der Ungemütlichkeit und daneben all die kleinen interessanten Wichtigkeiten durch, die einem solchen Ereignis vorangehen. Auch für sie gab es Trennungsstunden der verschiedensten Art. Jede der Freundinnen wollte sie gern noch einmal bei sich haben.