Eiligst raffte sie Handschuhe und Sonnenschirm zusammen und wollte Mademoiselle aus dem Vorzimmer befreien. Aber diese war längst durch Hanni in Anspruch genommen, die in ihrer natürlichen Herzlichkeit es als unpassend empfunden hatte, das junge Mädchen draußen warten zu lassen. Sie hatte die Französin in ihr Stübchen geführt und zeigte ihr Bilder von dem großelterlichen Gut, das nun bald ihre Heimat werden sollte.

Als Ilse mit ihrer Gouvernante eben den Vorsaal verlassen hatte, wurde so heftig an der Klingel gerissen, daß Mutter und Tochter erschrocken auffuhren, und schon im nächsten Moment meldete der Bursche: »Das kleine Fräulein von Platen.«

Aber schon hatte sich an dem ungelenken jungen Menschen ein blonder Krauskopf vorbeigedrängt.

»Hanni, ist es wahr? – Ihr geht wirklich fort von hier? Auf immer? Du, die einzige im Kränzchen, die noch nicht affig geworden? Das halt ich nicht aus! – Dann will ich auch von dem ganzen ollen Berlin nichts mehr wissen! O, das überlebe ich nicht!«

Stürmisch fiel sie der heißgeliebten Freundin um den Hals und erstickte sie fast mit Küssen und Tränen.

»Guten Tag, meine liebe kleine Käte! Nun, ist das Unglück denn wirklich so furchtbar? Es ist ja doch keine Trennung auf ewig! Und freust du dich denn nicht mit Hanni auf den großen Garten, den See mit dem Ruderboot, die Stachelbeeren, den Pony? – Denk, was das für Hundstagsferien gibt, wenn ihr uns dort besucht!« –

»Ach, liebste Tante Else, daß es aufs Land geht, ist ja himmlisch. Aber wie lang wird das Jahr sein ohne Hanni! Und die Ferien sind immer so rasch herum! – Ach, und unser Kränzchen soll dann lieber auffliegen!«

»Meinst du das wirklich? Sieh, Herta Kähler ist doch nicht ›affig‹?«

»Nein, aber reichlich görig ist sie!«

»Ja, sie ist aber auch jünger als ihr!«