»Ich meine, da räumten wir etwas aus – das hört man doch öfter, wenn es sich um Gesellschaften handelt.«

Die Mutter sah kleinlaut aus. Was würde das für einen Umstand geben. Aber nun ließ Lena nicht nach. »Erst müssen wir mal die Einladungen schreiben!«

»Haben denn Kählers schriftliche Einladungen geschickt?«

»Nein. Weißt du nicht, der Bursche kam doch und bestellte es.«

»Aber einen Burschen haben wir ja nicht.« –

»Das ist eigentlich schlimm! Regierungsrats oben schickten voriges Jahr zum Ball einen Lohndiener mit Karten herum. Ich habe sie gesehen; er zeigte sie der Hulda auf der Treppe!«

»Ja, ein Ball ist dies ja nun nicht! Aber Karten könnten wir am Ende mit der Post schicken!«

»Ich will gleich welche besorgen; vorgedruckte, mit ›beehren sich‹, so ist es schick!«

Sie machte sich zum Ausgehen fertig, was eine ziemliche Zeit erforderte, denn »mit der alten Fahne kann man unmöglich auf die Straße«, meinte sie! »Bitte, Mama, noch Geld für die Karten. Unter 1.50 Mark wird es kaum gehen.«

Mit leisem Seufzen erhob sich die Mama von ihrem bequemen Sitz am Kaffeetisch. Sie ließ sich so ungern von ihrer Morgenzeitung aufstören; »aber was tut man nicht für das Kind!« sagte sie in solchen Fällen. Ob sie ihm gut tat oder nicht, darüber machte sie sich weiter keine Gedanken.