Der unglückliche Herr von Alten hatte doch zwei Träger gefunden, die sich bereit erklärten, ihm sein Haus heraufzuschaffen. Bei der steilen Schurre hatten sie aber gestreikt und nur nach vielem Zureden den Weg fortgesetzt. Der Mond versagte ja gestern abend auch, und so war es eine unheimliche Reise. Wütend waren sie endlich hier oben angelangt und hatten natürlich alles verschlossen gefunden. Und nun kam das Schlimmste: für die grausige Tour haben die Leute so hohe Preise gefordert, daß die ganze Barschaft des unglücklichen Studenten dafür nicht ausreichte. Die Tante mußte ins Treffen – aber wie? Ich in meiner Dummheit schlug vor, ihn hereinkommen zu lassen. Da ging es mir ganz schlecht. ›Die moderne Jugend, auch die beste, verlöre jeden Maßstab von dem, was sich schicke. Noch nie hätte ein Mann sie im Bett gesehen. Selbst wenn ihr alter Doktor kommen müsse, empfinge sie ihn immer in voller Toilette im Wohnzimmer.‹

Aber warten wollten die Träger auch nicht – es war eine richtige Angstpartie. So gut es ging, half ich ihr in die Kleider, ein Schal wurde über den Kopf drapiert – endlich konnte der unglückliche Neffe zugelassen werden. Aber nun schickte es sich wieder nicht – ich weiß nicht mehr, aus welchen Rücksichten –, daß ich dabei sei; ich glaube, ich durfte an Geldverhandlungen nicht teilnehmen. Kurzum, es war eine solche Kette von Verlegenheiten und Verwirrungen, daß ich glaube, die arme Tante wird sich nicht so leicht von den Schrecknissen dieser Nacht erholen.«

19. Kapitel.
Immer höher hinan.

Inzwischen hatten sich auch die anderen Gäste eingefunden, und die Jugend machte sich marschfertig für eine größere Tour, von der sie erst am Abend zurück sein konnten.

Als mit zerschlagenen Gliedern und übernächtigem Aussehen der neue Ankömmling die Veranda betrat, fand er niemanden mehr, dem er seine recht ausgeschmückten Reiseabenteuer erzählen konnte, als ein paar würdige Damen, die geduldig zuhörten, und einen alten Geistlichen, der nachher kopfschüttelnd äußerte: »Was gibt es doch für törichte Burschen!«

Begeistert von den Herrlichkeiten, die sie genossen, kamen die Wanderer am Abend heim und konnten gar nicht genug schildern, wie klar der Fernblick gewesen, wieviel Schnee sie oben getroffen, wie unbeschreiblich man die Abendröte genossen hätte.

»Und kein bißchen müde sind wir geworden; da dürfen wir nun doch morgen auf den Schachen? Der Förster meint, man solle dies gute Wetter benutzen, lange hielte es nicht mehr an.«

Die längst geplante Tour wurde verabredet, und Felix, der bisher ziemlich einsilbig dagesessen in Erinnerung an den mit Tante Lucie recht langweilig verlebten Tag, erklärte, jedenfalls an dem Ausflug teilnehmen zu wollen.