»Bist Du immer dagewesen, Kind?« fragte die Großmutter.

»Ja,« sagte das Kind und kam heran, denn es wollte dem lieben Mann nahe sein, der zu dieser Stunde sein Herz dargelegt hatte, wie es im Fehlen und Bluten und Lieben gewachsen war.

Es mußte ihm etwas Liebes tun, aber es wußte nicht, was; das tat ihm weh, und der alte Herr sah ihm die Not auf dem Gesicht an beim flackernden Lichte der Straßenlaterne, die gerade unter dem Fenster brannte.

»Was ist Dir, Kind?« fragte er gütig.

Da konnte es das Kind nicht mehr bezwingen.

»Ich möchte Dich liebhaben,« sagte es.

»Das tu Du, das darfst Du wohl,« sagte die Großmutter.

Da legte das Kind seine Hand in die große, feine Hand des alten Herrn und schmiegte sich dicht an ihn, und er küßte es zart und lieb auf die Stirn; dann ging es hinaus und hatte ein Glück und eine Freude im Herzen. –

Solche Dinge kann die Erinnerung erzählen, solange der Zug klappernd durch die Nacht fährt, und im Wagen Geschrei und Geschwätz und Qualm ist und draußen leise die Flocken fallen.

Der Mitsünder