**
*
In des Rektors Studierstube brannte heut weder Feuer noch Lampe. Die guten Geister und Geisterchen dieses Raumes mußten im Mondschein spucken, und das war ihnen ganz gelegen. Aus allen Ecken kamen sie hervor, tanzten auf dem silbernen Teppich, den das Mondlicht auf den Stubenboden wob, ritten auf den Wölkchen, die der Rektor seiner allerlängsten Pfeife entsteigen ließ, trieben allerlei Allfanzereien mit den Büchern in den großen Ständern und den Bildern an der Wand und unterhielten sich mit dem alten Mann, der da saß und auf die Jugend wartete.
„So, da kommt ihr?“, sagte der Rektor. „Nun laßt euch nieder, wir wollen noch eine Weile beisammen sein. Ach, du Kind.“
Denn Gertrud hatte sich einen Schemel geholt und nun saß sie neben ihm und legte die Hände um die Kniee und den braunen Kopf gegen des Großvaters Arm.
Georg saß auf der Truhe.
„Hier bin ich daheim,“ sagte er. Er streckte die langen Beine weit von sich und lehnte sich an die Wand.
„Bei uns drüben bin ich’s nicht, je länger, je weniger.
Franz ist mein Bruder und nur zwei Jahre älter als ich. Aber wir wissen nur wenig miteinander anzufangen. Es gibt nichts Verschiedeneres, als uns beide. Jetzt hat er noch seine Frau dazu; es ist, als ob er nun vier Augen habe, um alles zu sehen, was ich — nicht sehe, und vier Füße, um breit und kecklich und sicher mitten im hellen Tag zu stehen. Es gibt nichts Verschiedeneres als uns beide, und gibt nichts Verschiedeneres, als das ganze Haus Ehrensperger und mich. Sie sind praktisch, ich bin unpraktisch, sie sind für das Nahrhafte und Gedeihliche, immer nüchtern, klar und fertig: so ist’s — und so wird’s — und damit gut. „Du bist ein Sinnierer,“ sagen sie, „und Sinnieren trägt nichts ein.“
Er war ein bißchen kleinlaut.
„Sie haben gewiß ein Recht, so zu sein, wie sie sind. Aber kann ich aus meiner Haut heraus? Ich kann nicht mit ihnen laut und lebhaft sein; wenn sie lachen, finde ich nichts daran, und wenn ich versuche, mitzutun, so gelingt es eine kurze Weile, mehr nicht. Es ist, als ob wir in zwei Welten lebten.