„Dich hab’ ich’s auch gelehrt, nicht? Es ist schade, Gertrud.“
Das war es, das dachte sie auch. Aber als sie sich besann, da war es doch nur darum, weil sie nicht mit Georg tanzen konnte. Nun hatte sie immer alles mit ihm geteilt, alles Ernsthafte, Pflichtgemäße, alles Große, Starke, alles Schwere, Drängende, Hungrige. Mußte sie nun auf der Seite stehen, wenn er leicht und froh und heiter war? Mußte sie andern überlassen, mit ihm fröhlich zu sein? Das war einen Augenblick ein bitteres Gefühl. Aber hinweg damit.
„Ich bin das alles nicht gewöhnt. Ich komme völlig aus dem Gleichgewicht. Ich will froh sein, wenn Georg nach dem Examen zu uns kommt. Das soll schön werden. Dann wollen wir auf unsere Art vergnügt sein.“
Sie nickte beiden freundlich zu, als sie nach einiger Zeit wieder abzogen. „Er gehört dennoch zu mir, sein Lebenlang tat er das schon. Es ist keine Frage.“
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„Du, höre, was ist diese Gertrud für ein Mädchen geworden? Unaussprechlich brav und gescheit und ein bißchen langweilig.“
Lore schüttelte den schönen Kopf. Sie ging neben Georg her nach dem Tisch der Wiblinger.
„Sag nichts über Gertrud. Sie ist — ach, du kennst sie nicht. Sag kein Wort über sie.“ Er sagte es fast rauh.
Da sah sie ihn an mit diesem Blick, dem er nie zu widerstehen vermochte, aus Schelmerei und Zärtlichkeit gemischt: „Ach, ich tu ihr nichts. Gewiß nicht. Ich bin nur so ein törichtes, nichtsnutziges Ding neben ihr. Ich bin nur neidisch auf sie.“ Da hatte sie ihn wieder gewonnen. Wie hatte er sonst oft nach einem solchen Blick verlangt; früher, da pflegte sie ihn andern zu schenken. Und nun flog einer um den andern zu ihm.
„Du, du wirst ausreißen, ich sehe es. Du wirst es durchsetzen, das, was du jetzt anfängst. Heute hast du mich vollends aufgeweckt, heute morgen in deiner Stube, als es dich so fortriß. Du sollst mir berühmt werden, du.“