Von draußen herein sangen die Geigen und Flöten.
„Lore, ach Lore. Daß du so sagst. Was ist das für ein Tag heute. Es wendet sich alles um und um. Ich muß das nicht tun, wovor mir so angst war. Es ist mir, als sei ich frömmer seit dem Augenblick. Es war so eine Quälerei, immer ein Wollen und Nichtkönnen. Das ist auf einmal von mir abgefallen. Jetzt sollst du sehen, daß ich dennoch ein Ziel erreiche. Ich will Schönes schaffen, Wahrhaftiges, etwas, das mein eigen ist. Alle sollen sich mit mir freuen. Du besonders. Das ist das Schönste, daß du daran glaubst.“ Er sah ihr in die Augen. Tat sie es wirklich? Ja, da stand es groß geschrieben.
„Lore, du warst noch nie so, wie heut. Es ist, als ob ich dich zum erstenmal sähe. Komm, laß dich ansehen. Du, was habe ich mich gequält, ja, auch um dich. — Nein, laß es mich sagen. Es ist ja wie ein Märchen. Das hat immer alles so hoch gehangen, was ich wollte. Wenn ich darnach griff, schnellte der Zweig zurück, an dem es hing. Wenn es in mir brannte, daß ich dem nachgehen müsse, was in mir tönen wollte, und ich versuchte es, dann kam wieder die Mutlosigkeit: du kannst es doch nicht. Und du darfst auch nicht. Du mußt am Wege bleiben. Du darfst nicht darnach greifen. Alles Schöne, nach dem mein Wesen verlangte, war wie Sünde. Heut nicht. Ist heut ein Wunschtag? Du kommst — ach, Lore, sieh mich nicht so an — und beugst mir den vollen Zweig herunter und sagst: du kannst. Und mir ist, ich könne. Ich will — — du, — du mußt dabei bleiben, — du mußt mit mir gehen, — ach, komm.“
Da schlug es über ihnen zusammen wie weiche, warme Wellen. Da vergaßen sie Reden und Denken über dem, was eins in des andern Augen geschrieben fand.
„Du, du.“ Sagten sie das Wort heut zum erstenmal?
„Du.“ Da schloß Lore die Augen, wie geblendet von einem großen Glanz und lehnte den Kopf an seine Brust, und sein Arm umfaßte sie. Sie aber rührte sich nicht darin.
**
*
Ein Rotkehlchen hüpfte von Ast zu Ast und sah aus hellen Augen zu, wie den beiden jungen Menschen die Hände von den Schultern und ineinander glitten und wie sie darauf nebeneinander her gingen, schweigend. Auf einmal erschrak es und flatterte hinauf in den Wipfel einer jungen Buche. Denn das Mädchen hatte gelacht, ein so zwitscherndes, helles Lachen, daß das Vöglein aus einiger Entfernung sehen mußte, was darauf erfolge. Das Mädchen hatte ja doch seinen Genossen bei sich und brauchte ihn nicht zu rufen und ein solches Gezwitscher bedeutete in der Vogelsprache einen Lockruf. Da fiel dem Rotkehlchen sein eigenes Liebchen ein, das ein bißchen weiter drin im Wald wohnte und es breitete seine Flügelein aus und rief: ich komme.
Der junge Mann aber sah fragend aus. „Jetzt kannst du lachen?“
Da lachte sie noch einmal und noch viel heller. „Ja, du, so bin ich. Ich muß einmal lachen, wenn mir das Herz ganz voll ist. Das ist nicht so leichtsinnig, wie du meinst. Ich kann’s nur nicht sagen, wie es ist. Du mußt mich eben nehmen, wie ich bin, ich kann nicht anders sein. Du bist viel zu gut für mich, daß du’s nur weißt.“