„Kehr’ dich nicht dran, was ich sage. Sag’ lieber noch so etwas Schönes wie vorhin, daß ich einen rechten Stolz auf dich haben kann. Wenn ich stolz auf dich bin, dann habe ich dich am allerliebsten.“

„Ach du, ich bin auch stolz auf dich. Es ist, als ob du eine Quelle in mir aufgeschlossen hättest und ich könnte gleich morgen, gleich heut anfangen, zu komponieren. Wenn ich dich ansehe, dann tönt es gleich.“

„Weiter, das gefällt mir.“

„Siehst du, es ist etwas aus meiner Kindheit mit mir herübergegangen, das muß mein schönstes und bestes Lebenswerk werden. Das läßt mich nie mehr los. Es ist mir, als ob alles, was ich zu erleben habe, nur dazu sei, daß es immer besser töne.“

Und er erzählte ihr die Geschichte von dem Geiger, der das schönste Lied suchte, und einen Ton davon in allem Geschaffenen fand, da einen und dort einen, und der es nie zur vollen Harmonie bringen konnte und sie erst im Tode fand.

Er wurde warm dabei.

„Das möchte ich alles in Töne fassen, es ist mir, ich höre es schon. Das ganze Menschenleben liegt darin, Lieb’ und Leid, und was dahinter steckt, alles Fromme und alles Arge, und die ganze Natur, bis hinauf zu den Sternen. Alles hat seinen eigenen Ton. Dann, wenn ich das habe —“

„Ach, nun komm’. Das ganze Fest geht vorüber. Ich möchte noch einmal mit Franz tanzen. Ich habe es ihm versprochen. Du, ich kann ihn gut leiden, er ist so lebensfroh und so breit und stattlich. Das gefällt mir. Du? Du bist ganz anders. Niemand ist, wie du. Darum will ich dich gerade. Ich muß etwas ganz besonderes haben.“

Immer noch sangen die Flöten und Geigen. Ganz nah klangen sie jetzt wieder, und zwischen den Büschen schimmerte es hell herein.

„Du, ich will sehen, was Gertrud für ein Gesicht macht, wenn sie es erfährt. Nein, heute sagst du es ihr nicht mehr. Ich möchte es einen Tag lang für uns behalten. Was ist mit der Falte auf deiner Stirn? Die will ich heute nicht mehr sehen.“