Vor ihnen lag das Leben. Sie hörten leise seine Ströme rauschen in der Morgenstille. Es würde schon Wege geben, hindurchzugehen.

Auf dem Dach, auf dem spitzen Giebel sang eine Amsel und sang die anderen Vögel wach. Wußten sie nicht, was heut nacht geschehen war? Sie sangen ihr altes Lied:

„Freude, Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.“

Sie können kein anderes. Es ist ihnen das Lied des Lebens, und wollte Gott, wir alle könnten, über Leid und Tod hinüber, alle nur das einzige, das Lied des Lebens, zu dem die Saiten in uns aufgespannt sind.

Urteile
über Anna Schieber, Alle guten Geister ...

Kurt Aram in der „Frankfurter Zeitung“: „Aus Württemberg wächst uns, wie es scheint, wieder einmal ein neues Erzählertalent von Bedeutung zu. Man wird sofort an die Erzählerart Wilhelm Raabes erinnert. In den letzten Jahren kamen mir eine ganze Menge von Romanen unter die Hände, die sich in der Art dieses Meisters versuchten, aber kläglich scheiterten, weil ihre Verfasser blutige Dilettanten waren. Mit Anna Schieber jedoch versucht sich ein Talent in der Art Raabes, und zwar nicht nur, weil sie ihr besonders gut gefällt, sondern auch weil ihr diese Art innerlich entspricht. Manche ihrer Gestalten erinnern direkt an Raabesche Figuren. Und doch sind sie ihnen nicht einfach nachgemacht, sondern wirklich von ähnlicher seelischer Art, also keine imitierten Puppen, sondern tieflebendige Menschenkinder... Dies schöne Buch wird seinen Weg schon machen.

Dr. Hch. Lhotzky im „Leben“: „Ein ganz ungewöhnlicher Roman, fesselnd und erquickend zugleich. Niemals ist mir ein Buch vorgekommen, das ich so bedingungslos jedem in die Hand geben würde. Die Verfasserin ist ein Segensmensch und wahrscheinlich durch viel Einsamkeit und herbes Leid hindurchgegangen. „Sonst wüßte sie ja nicht zu trösten.“ „Man muß allein gewesen sein, eh’ man recht mit den andern gehen kann.“ Das ist weit hinausgewachsen über das übliche Christentum und steht im wahrhaft Menschlichen und Göttlichen. Menschen, die solches verstehen, habe ich mir immer ersehnt, und freue mich, daß sie erstehen. Wer irgend jemandem ein liebes Buch schenken will, ein Buch zum immer wieder Lesen, schenke dieses. Aus ihm kann man sehen und hören lernen, was den Vielen meistens entgeht.“

Dr. C. Busse in Velhagen & Klasing’s Monatsheften: „Mit heller Freude und daneben mit einem verwunderten Kopfschütteln muß ich heut von einem Buche erzählen, das anders ist als andere Bücher, das wie eine schöne Predigt ist und doch mehr als eine Predigt, das Menschen vor uns hinstellt, die wir zu Vätern, Brüdern, Schwestern, Freunden haben möchten, das alles Gute in uns anspannt, das uns fröhlich und getrost macht: Wie ein Märchen aus einer schönen, verlorenen Heimat ist das Buch, aber vielleicht wie jedes gute Märchen voll der höchsten Wahrheit.“

Verlag von Eugen Salzer in Heilbronn.