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Der Morgen graute ganz von ferneher. Kaum ein erstes, blasses Dämmern drang durch die Nacht. Die kleine Nachtlampe fing an zu flackern in dem kühlen Wind, der über die Berge herkam und draußen in den Bäumen rauschte und in die Stube hereinwehte. Da standen sie auf von ihren Sitzen und deckten ein weißes Tuch über das liebe, stille Gesicht.
„Ich gehe, Gertrud. Ich will mit dem Morgenzug reisen und meine Stunden halten, wie sonst. Morgen komme ich wieder.
Ich komme immer wieder, du weißt es. Dieses Haus ist mir eine Heimat gewesen und dieser Mann ein Vater, und du — du bist mir eine Schwester. Meine einzige. Bist du es nicht?“
„Doch, Georg.“
Ihr bleiches, überwachtes Gesicht glänzte von einem inwendigen Licht.
Sie gaben sich die Hände.
Das leise Sausen draußen schwoll stärker und stärker an.
Als sie ihm die Haustür öffnete, stand der Morgenstern über dem Nachbarhaus:
„Wohlauf in den Tag hinein, so lang er währt. Ist er auch jetzt noch grau, er wird hell und heller werden wann die Sonne kommt.“